In der Dschungelwelt des Amazonas

Posted by on 25. Januar 2014

Iquitos – die Stadt die man nicht auf Straßen erreicht - 

Im Internet bei TripAdvisor stieß ich auf das San Pedro Lodge. Die Beschreibung der Unterkunft und die Beurteilungen lasen sich gut und ich buchte. Cato Erga der norwegische Betreiber des „San Pedro Lodge“ antwortete umgehend und zwei Tage später saß ich bereits im Flieger. Schon der Überflug war interessant. Allein zu sehen, wie sich die verschieden braun gefärbten Flüsse durch die grüne Landschaft schlängeln war schon ein Erlebnis. Am Vormittag gegen 11 Uhr landete dann mein Flieger nach ca. 3 Std. Reisedauer mit Zwischenlandung in Tarapoto auf dem Flughafen der Millionenstadt Iquitos. Es ist die größte Stadt der Welt, die nicht über den Landweg erreichbar ist. Martin der Tuk Tuk Taxifahrer erwartete mich schon am Ausgang und brachte mich zum Boot, das mich den Nanay Fluss hinauf nach San Pedro und zum gleichnamigen Lodge brachte. Die Bootsfahrt dauerte eine knappe Stunde. Ich war der einzige Gast zu diesem Zeitpunkt und man erwartete mich schon. Das Mittagessen war bereits für mich zubereitet. Clari die Köchin hatte Hühnchen mit Reis und „Platanos“ zubereitet. Ein Gericht, das ich die nächsten Wochen öfters bekommen sollte. Auf dem Speiseplan der Peruaner steht oft Fisch oder Hühnchen mit Reis und zwischendurch mal Schweinefleisch. Gemüse mögen sie nicht so gerne, dafür gibt es fast immer „Platanos „ dazu. Nach dem Mittagessen erkundete ich erst mal die Umgebung und lief in den kleinen 200-Seelen Ort San Pedro und noch weiter durch den Dschungel bis Lupuna. Dieser Ort ist etwas größer und liegt ca.3 km vom Lodge entfernt. Hier gibt es auch eine kleine Schule, eine Kirche, einen großen Dorfplatz und sogar Bürgersteige haben sie da.  Die Leute sind nett und interessiert und auch immer für ein kleines Gespräch bereit. Ich war begeistert von der “neuen Welt“ in der ich mich jetzt befand. Überall grün, eine großartige Fauna und viele fremdartige Geräusche. Auch die Abwechslung von Sonne und warmen Regen schafft eine einzigartige Stimmung, wenn die großen Regentropfen auf die Blätter prasseln und dann bei Sonnenschein die Nebelschwaden über die Wälder ziehen. Es gibt nur eins, was diese himmlische  Umgebung zur Hölle werden lässt – Mosquitos. Es gibt sie auch tagsüber, doch gegen Abend werden sie richtig aggressiv, dann hilft kein Spray und kein Pulli mehr, sie stechen wo immer sie einen Fleck finden um an Dein Blut zu kommen. Die einzige Rettung ist dann die Flucht unter das Mosquitonetz und selbst da ist man nicht sicher davor. Mit Don Rudolfo, einem Guide aus dem Ort und zwei weiteren Gästen unternahm ich dann die erste Tour, die uns weiter in den Dschungel hinein führte.  Dies war mir aber noch zu wenig und ich buchte eine 4-Tages-Tour nach Yarapa. Es stand aber Silvester vor der Tür. Da es so schien, dass ich zu dem Zeitpunkt der einzige Gast sein würde, nahm ich mir ein günstiges Quartierte im Zentrum von Iquitos nahe der Plaza de las Armas. Der Jahreswechsel wird hier aber eher verhalten gefeiert. Die Familien versammeln sich auf der Plaza, es gibt Eis und Süßigkeiten für die Kinder und bunt beleuchtete Tuk Tuk´s bieten Fahrten um die Plaza an. Dazwischen bilden sich immer wieder Kreise, wo Michael Jackson Imitatoren und Gaukler ihre Kunststücke vortragen. Die meisten Restaurants haben geschlossen und in den Bars war es ruhig. Nur in den Spielhallen tummelten sich Vergnügungssüchtige. Iquitos ist also kein Platz für „Feierbiester“. Das war aber auch nicht meine Absicht. Der Grund lag darin, dass ich in Iquitos einen besseren Internetempfang hatte und ich mit Familie und Freunden „skypen“ konnte. Internet ist ein Problem. In San Pedro konnte ich mit meinem Modem nur Emails empfangen, das Senden gestaltete sich schwierig, ebenso das „downloaden“ von Seiten und immer nur zwischen 6.00 Uhr und 7.00 Uhr morgens. Auch in Iquitos bricht die Verbindung immer wieder ab. Man kommt aber auch nicht hierher um im Internet zu „chatten“ sondern die Flora und Fauna zu besuchen. Dies machte ich dann ausgiebig nach Neujahr.

 

 

Am Ursprung des Amazonas

Mit unserem Guide „Lobo“ fuhren wir zuerst auf der einzigen geteerten Strasse in die ca. 100 km entfernte Nachbarstadt Nauta. Dort wartete auch schon ein Boot, das Lobo, Jacob und mich den Ucayali-Fluss hoch schipperte. Unser Ziel war Porto Miguel, dass im Naturreservat Pacaya Sambiria liegt. Hier wohnt Lobo mit seiner Familie auch und auch wir waren die nächsten Tage hier untergebracht. Auf dem Weg dorthin kamen wir auch an der Mündung des  „Rio Marañón“ in den „Rio Ucayali“ vorbei. Ab hier spricht man dann vom Rio Amazonas. Ab hier fließt er dann 6437 km durch Peru und Brasilien in den Atlantik. Der Ucayali ist hier schon 4x so breit wie unsere Donau in Regensburg und ca. 27m tief. Unvorstellbare Wassermassen fließen hier ab. Nach ca. 2 Std. Bootsfahrt erreichten wir das Haus von Lobo. Die Unterkunft war einfach, aber die Umgebung herrlich. Die ganze Familie ist involviert. Die Frau kocht, der Onkel ist der 2. Führer und ab und zu werden die Kinder mit eingebunden um kleinere Arbeiten zu verrichten. In dem auf Stelzen gebauten Haus leben 7 Personen. Lobo mit seiner Frau und seinen vier Kindern und sein Vater. Unsere Zimmer befanden sich mitten drin im Geschehen. Ich teilte mir ein Zimmer mit Jacobo einem jungen Mann aus Arizona. Neben uns war noch ein Pärchen aus Italien im Haus untergebracht. Wenn wir nicht auf Tour waren, verbrachten wir die meiste Zeit auf der Terrasse. Lobo begann auch gleich die erste Tour mit uns in den Ort und in die nähere Umgebung. Wir sahen Faultiere, Leguane und Affen auf den Bäumen in freier Wildbahn und danach als Haustiere gehalten im Ort. Es fand auch gerade ein Fußballturnier im Ort statt. Von überall her kamen die Mannschaften auf dem Fluss angefahren. Auch die nächsten Tage  waren  dann ausgefüllt mit Touren und es kam keine Langeweile auf. Auch eine Nachttour stand auf dem Programm, bei der wir mit dem Boot nach Kaimanen und Krokodilen suchten. Da Lobo auch der Schamane des Ortes ist, kennt er sich sehr gut mit allen Pflanzen des Urwaldes aus. Dabei lernten wir, dass die Natur für fast für alle Krankheiten eine heilende Pflanze parat hat. Man merkte auch, dass Lobo uns alles zeigen wollte. Er beendete eine Tour erst, wenn wir alles gesehen hatten, was auf dem Programm stand. Wir fuhren z.B. nachts erst zurück, nachdem wir einen Kaiman gefangen hatten oder suchten solange nach Piranhas, bis wir erfolgreich waren. Ich dachte die Mosquitos in San Pedro Lodge seien aggressiv. Was „aggressiv“ wirklich bedeutet spürten wir alle erst in dieser Region. Die Indios nehmen die Stiche eher gelassen hin und laufen halbnackt rum, sie meinten nur, es ist oft schlimmer. Wir waren eingemummt in Pullis und Netzhemd und von oben bis unten mit Gift besprüht, konnten der Plage aber nicht Herr werden. Es ist Regenzeit und immer wieder mussten wir unseren Poncho auspacken. Richtig viel Regen gibt es im April. Da steigt der Pegel der Flüsse  8 m – 9 m an. Lobo erzählte uns dann, dass seine Kinder dann immer direkt von der Terrasse in den Fluss springen könnten und lacht dabei. Nur 2012 war es ganz schlimm hier, meinte er. Der Pegel des Flusses stieg um über 11 m und seine Familie und das ganze Dorf mussten nach Nauta umziehen, da das Wasser im den Räumen stand. Die Menschen hier haben sich aber daran gewöhnt und sie wissen, dass im April das Wasser kommt. Nur wie hoch es steigt wissen sie vorher nicht.

Rosarote Delphine und gefräßige Pirhanas

Neben den rosaroten und grauen Flussdelphinen war der krönende Abschluss dann das Piranhafischen. Jacobo ist Angler und  mit tollem Equipment ausgestattet. Er hatte auch den ersten „Biss, das war es dann auch. Ich fing mit meiner primitiven Angel 6 Piranhas und war ganz zufrieden damit. Hinterher wurden sie dann verspeist. Sie schmecken allerdings nicht so sonderlich gut. Nach dem „Piranhamahl“ und 4 Tagen in Yarapa ging es wieder zurück in die Zivilisation. Ich machte noch zwei Tage Station in Iquitos, bevor ich dann wieder nach San Pedro ins Lodge zurückkehrte. noch zwei Tage Station in Iquitos, bevor ich dann wieder nach San Pedro ins Lodge zurückkehrte. Inzwischen war auch Cato zurück aus Norwegen. Er kurierte dort die letzten Monate seine Malaria aus.

Indio Bräuche oder nur Saufgelage?

Es war schon wieder Wochenende und nach ein paar Glas Wein nach dem Abendessen kam Olmes auf die Idee, noch ein wenig nach San Pedro in den Ort zu laufen. Er überredete mich, ihn zu begleiten. Also stiefelten wir durch die Nacht zum Ort. Dort kamen wir am Haus von Walter und seiner Familie vorbei. Hier saßen schon eine Menge Leute bei einem Bier und Musik. Sie winkten uns zu sich und wir setzten uns zu ihnen. Zwei Bänke waren aufgestellt und auf der einen saßen die Männer und auf der anderen die Frauen. Soweit ich es in Erinnerung habe waren es sechs Frauen, eine über 60 Jahre und die anderen fünf Schwanger, was sie aber nicht davon abhielt eine Menge Bier zu konsumieren und Menthol Zigaretten zu rauchen. Nun war ich als Ausländer „Stargast“ und „Opfer“ zugleich. Es wurde getanzt und ich wurde immer wieder dazu aufgefordert mit zu tanzen. Davor aber wurde immer ein Glas Bier auf „Ex“ ausgetrunken. Dies ging eine ganze Weile so, bis ich mit allen einmal getrunken hatte. Man fragte mich höflich, ob ich den auch einen Kasten Bier spendieren wollte. Natürlich wollte ich nicht unhöflich sein und am Ende waren es dann zwei Kästen. Ob ich dadurch positive Entwicklungshilfe geleistet habe muss ich an der Stelle bezweifeln. Jedenfalls endete der „Kulturaustausch“ mit einer Streiterei unter den Einheimischen, wonach sich die Reihen schnell lichteten. Am Ende saß ich mit Olmes und der angetrunkenen 60-jährigen Indiofrau alleine am Ausschank vor dem Haus. Als sie dann versuchte mich, den Exoten abzuknutschen, ergriff ich die Flucht ins Lodge. Für meine „Saturday night fever“- Dschungel-Tour  hatte ich am nächsten Tag zu büßen. Noch einmal machte ich eine Tagestour mit Susanne und Matthias einem deutschen Zwillingspaar, das auch einige Tage in San Pedro Lodge verbrachte. Wir besuchten dabei die Schmetterlingsfarm und die „Manatee Farm“ und machten eine Bootsfahrt auf dem Amazonas. Wenn man vorher schon eine Tour in Yarapa gemacht hat, sind diese Attraktionen nicht mehr so spannend. Die Amazonas Fluss Manati´s fand ich ganz interessant, dies war auch neu für mich.

Die letzten Tage in Iquitos

Die letzten Tage im „Lodge“ nutzte ich zum Berichte schreiben schließlich war ja auch einiges passiert in den letzten Monaten. Den Tag vor dem Abflug verbrachte ich noch einmal in Iquitos im sehr guten und günstigen Hostal Florentina in der Huallaga cuadra 212 im Altstadtzentrum. Von hier startete ich gleich früh morgens mit einem Mototaxi für 2 Soles in den Stadtteil Belen. Hier besichtigte ich noch den bekannten Markt. Dieser begeisterte mich total. Das Treiben der Menschen, die vielen fremden Speisen und Gerüche. Hier findet man wirklich alles was der RioAmazonas hergibt. Fische, die ich noch nie gesehen habe, sogar Krokodile und Schildkröten liegen am Auslagetisch und warten auf ihre Käufer. Staunend lief ich kilometerweit durch die belebten Strassen und Gassen und blieb immer wieder stehen und lies mir erklären, was ich gerade bewunderte. Jetzt wollte ich auch noch die „Casas flotantes“ im „unteren Belen“ sehen. Ein Polizist riet mir davon ab und meinte es sei zu gefährlich. Er riet mir über den Nanay mit einem Boot wieder hoch zu fahren, dass sei wesentlich sicherer. Wieder stieg ich in ein Tuk Tuk und lies mich in den anderen Stadtteil bringen. Dort verhandelte ich einen akzeptablen Preis aus und „Jimmy“ so hieß der Bootsfahrer schiffte mich wieder Flussaufwärts nach „Bacho Belen“ Auch eine Fahrt, die sich gelohnt hat. Mit vielen neuen Eindrücken kehrte ich nach ca. 2 Std. wieder zurück. Nach einem leckeren und günstigen Mittagessen im Restaurant Huasai in cuadra1, Fitzgeraldo bereitete ich mich dann auf meine Abreise vor. Bei meiner Ankunft hatte ich die Stadt eher langweilig empfunden, bei meiner Abreise hatte ich eine ganz andere Meinung. Sie ist einfach sehenswert und die Leute sind nett und hilfsbereit.

 

 

Wieder “daheim”

Am Donnerstag den 16.Januar nachmittags ging es dann zurück nach Lima . Hier wollen wir uns zunächst um unser Projekt kümmern, bevor das Abenteuer weiter geht. Wie, das erfahrt ihr im nächsten Bericht. Viel Spaß beim Lesen – Aktuelle Infos gibt´s wie immer auf Facebook unter „PanAmericanArte“ – Mehr Bilder zu dem Artikel in der jeweiligen Bildergalerie.

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