Mittelamerika und der Sprung nach Südamerika – ein Wechselbad der Gefühle!

Posted by on 19. Oktober 2013

C O S T A  R I C A

Am 12. Juni war unser „Heimaturlaub vorbei. Wir hatten die fünf Wochen zuhause soviel zu erledigen, das die Zeit an uns vorbei raste. Nach knapp 13 Std. Flug waren wir wieder in San José /Costa Rica angekommen. Unser „Balu“ stand immer noch am gleichen Platz wo wir ihn abgestellt hatten. Es war alles in Ordnung, nur die Werkstatt hatte noch gar nichts gemacht, so dass wir zwei Tage in Coronado warteten, bis der Kundendienst erledigt war, bevor wir Richtung Westen zur Halbinsel  Nicoya losziehen   konnten. In Mal Pais angekommen, fanden wir einen schönen Stellplatz direkt am Pazifik auf dem Campingplatz „Elimar“ von William Barrientos. Hier wollten wir erst mal ein paar Tage bleiben und unsere nächsten Ziele planen. Es war heiß und schwül hier aber ein toller Küstenstreifen, weshalb auch viele amerikanische VIPS hierher ziehen, u.a. Mel Gibson hat hier ein „kleines Häuschen“ mit bestem Blick auf den Pazifik. Unser Platz war allerdings nicht zu übertreffen. Außerdem hatten wir einen tollen Campingplatzbetreiber in William Barrientos, einem ehemaligen costaricanischen Fußballprofi, der für uns zum Abschied ein tolles Essen zubereitete.

Das Ende von PanAmericanArte?

Wir starteten am 19. Juni früh morgens Richtung „Playa  Samara“. Wir wollten Schildkröten beobachten, denn es begann gerade die Zeit der Eiablage und dort sollten sie an Land kommen. Es schien die Sonne als wir los fuhren. Der Weg dorthin sollte auch gut befahrbar sein, so lautete die Auskunft der Einheimischen. Nach ca. 2 Std. Fahrt begann es dann heftig zu regnen, was für diese Jahreszeit nichts Ungewöhnliches ist, es war ja auch Regenzeit. Die Fahrspur wurde zunehmend enger und rutschiger und der Regen so heftig, dass keine 10m Sicht mehr war. Die kleinen Bäche, die wir anfangs noch mit einer Leichtigkeit  überquerten, schwollen an und plötzlich standen wir vor einem breiten Fluss. Die Strasse führte geradewegs durch diesen. Zu Fuß durch den Fluss watend suchte ich die Fahrspur, bis über die Knie im Wasser stehend. Gott sei Dank kamen ein Motorradfahrer und ein PKW mit Einheimischen und diese überquerten den Fluss und zeigten mir somit, wo es lang ging. Pitschnass vom strömenden Regen stieg ich ein und fuhr auch durch den Rio Bongo. Erleichtert waren wir als wir das andere Ufer erreichten. Das war wohl das größte Hindernis sagten wir uns und fuhren die Uferböschung hoch als es plötzlich einen dumpfen Schlag machte und Glass- und Plastiksplitter in unsere Wohnkabine fielen und ein dickes Loch im hinteren Teil unserer Wohnkabine klaffte. Sogleich drang Wasser vom strömenden Regen ein. Was war passiert? Blankes Entsetzen machte sich breit. Ich hielt sofort an und stieg aus. Überall waren unsere Sachen verstreut. Unser Solarpaneel lag im Rio Bongo unsere Alukiste war verbeult und leer, die darin befindlichen Sachen am Uferhang verstreut, genauso die Dachfenster. Unser erster Gedanke: Das ist das Ende von PanAmericanArte. Dennoch reagierten wir schnell und warfen eine Plane über unser offenes Dach, damit es nicht weiter ins Innere regnet. Dann analysierten wir nochmals unseren Schaden und was geschehen war. Ein Stahlkabel mit Stromleitung lag gerissen am Boden. Dieses hing viel zu tief, warum auch immer. Gesehen haben wir es wegen des Regens nicht und diese hat uns das Dach regelrecht „abrasiert“. Ein „Rabenschwarzer Tag„ für unser Projekt. Unsere Sachen in der Wohnkabine allesamt nass, überall Plastik- und Glassplitter und das Loch in der Kabine. Auch unsere Hängeschränke wurden heruntergerissen. Uns bot sich ein furchtbarer Anblick. Als sich die erste Aufregung etwas gelegt hatte, fixierten wir die Plane und machten uns auf den Weg in das mehr als 300 km entfernte San José. Nur dort hatten wir einen Anlaufpunkt. Nach acht Stunden schleichender Fahrt erreichten wir Coronado. Wir konnten im Vereinshaus von „Barrio los cedros“ bleiben. Dort half man uns, wo es nur ging. Leda und Macho stellten uns ihren gerade leer stehenden Bungalow zur Verfügung und die Werkstatt von Oscar kannten wir auch schon. Es lag alles fußläufig beieinander. Drei Wochen sollte es dauern, bis alles wieder repariert war. Die Dachfenster schickte uns der ADAC aus Deutschland, das Solarpaneel  erneuerte  Luis, ein ortsansässiger  Solar-Ingenieur und den Rest erledigte Oscar. Viel Glück im Unglück. Unsere Stimmung verbesserte sich zusehends. Die Zeit nutzten wir auch zum Malen. Was uns zunächst fast unmöglich erschien endete dann doch mit einem „kleinen Happyend“.

Die Reise und PanAmericanArte gehen weiter.

Am 9. Juli konnten wir unsere Fahrt dann fortsetzen und „Balu“ war kaum was anzusehen von dem Unfall. In San Ramon trafen wir Yiyo und Roy, die uns schon bekannten Sprayer. Wir standen beim Roten Kreuz um die Ecke von Yiyos Atelier. Die Jungs zauberten dann nicht nur ein tolles Bild auf unsere Leinwand, auch „Balu“ wurde besprüht. Seither ziert ein bunter Tucan die Fahrerseite und ein freches Mädchen die Rückseite unseres „Balu“. Nach zwei Tagen ging es schon weiter zum Vulkan Arenal und den Stausee entlang weiter Richtung Norden. Wir wollten ja noch einmal nach Honduras, wo wir im Mai nur schnell durchgefahren sind. Halt machten wir dabei in Nuevo Arenal bei Tom´s Restaurant, einem Deutschen und bei den Schweizern Agi und Guido in Cañas Casilla in Costa Rica. Gut kamen wir über die Grenze und fuhren bis Estelli, wo wir kostenlos auf einem Hotelparkplatz stehen durften. Am 14.Juli erreichten wir über den Grenzübergang bei Las Manos Honduras

H O N D U R A S

Wir hatten uns fest vorgenommen, die Lenka-Frauen  in Marcala zu besuchen. Bisher kannten wir nur ihren Kaffee, den man über spezielle „Eine Welt“- Läden überall beziehen kann. Seit über einem Jahr schon sind wir auf der „Panamericana“ unterwegs und inzwischen auch schon „erfahrene Grenzgänger“. In fast rekordverdächtigen 1,5 Std. hatten wir alle Formalitäten der Aus- und Einreise samt Zollpapieren erledigt. Zügig erreichten wir die Hauptstadt Tegucigalpa, die wir vorher nur von der Landkarte her kannten. Allen vorherigen Warnungen zum Trotz durchquerten wir diese „berüchtigte“ Stadt. Eine pulsierende Metropole, die uns nicht mehr oder weniger gefährlich erschien wie Mexico City, Guatemala City oder jede andere Großstadt auf unserer Tour. Immer wieder begegnete uns „Security„ mit „Pump Gun´s“ aufgerüstet. Auch diese waren uns jedoch seit dem Grenzübergang in Tijuana/Mexiko vertraut. Wir waren überrascht von den guten Straßenführungen, die dazu noch exzellent ausgebaut waren.

Bei den Lenka-Kaffeebäuerinnen in Marcala.

Nach weiteren drei Stunden Fahrt erreichten wir Marcala, eine typische Lenka-Stadt. Hier leben ca. 18 Tsd. Lenkas, Nachfahren des widerspenstigen Lempira, einem Lenka-Häuptling, der fast 20 Jahre der spanischen Unterwerfung trotzte und noch heute von den Lenkas als Held verehrt wird. Die Frauen von COMUCUP  (Zusammenschluss von Lenka-Frauen)  empfingen uns freundlich aber zunächst noch etwas reserviert. Vielleicht lag es auch daran, dass gerade der Inspekteur von „Fair Trade“ im Haus war der den ökologischen Anbau kontrolliert und sie deshalb ein wenig nervös waren. Bereitwillig und mit stolz führten sie uns dann durch Ihre Plantagen, wo Sie Kaffee, Aloe Vera, Gemüse und Kräuter anbauen. Ihre Organisation, die nun seit über 20 Jahren besteht hatte ihren Ursprung in der Aufklärung über Frauenrechte. Daraus  entwickelte sich eine stolze Gemeinschaft von Frauen, die sich, gepeinigt von den  Misshandlungen ihrer Männer, zusammen fanden. Zunächst malten sie nur ihre Träume auf Papier, später dann  begannen sie Kaffee anzubauen, um den Lebensunterhalt für sich und ihre Familien zu bestreiten und ihre Träume zu realisieren. Heute stehen ihnen Organisationen wie „Oxfam“, „Fair Trade“ und „Habitat“ nicht nur beratend zur Seite. Diese Organisationen überwachen nicht nur den ökologischen Anbau ihrer Produkte sondern helfen diese auch erfolgreich zu vermarkten. Die Frauen führten uns durch ihre Plantagen und zeigten uns den Weg des Kaffee auf, vom Pflücken bis zum fertigen Versand. Dabei achten sie auf Umweltschutz und produzieren ihre biologischen Schädlingsbekämpfungsmittel in eigener Regie. Abfälle werden zu Düngemittel und Abwässer nur  gereinigt in die Flüsse geleitet. Jede der Lenkafrauen hat ihre feste Aufgabe. Eine ist für die Heilkräuter, Düngemittel und Schädlingsbekämpfung zuständig. Wieder  eine andere für das Marketing und eine weitere zeichnet für die Produktion verantwortlich. Eine Präsidentin wählen sie alle zwei Jahre aus ihrer Mitte und kann wieder gewählt werden. Ihr Arbeitstag ist lang, sehr lang. Er beginnt für die meisten Frauen um 3.00 Uhr morgens, wo sie zunächst Essen für die Kinder und den Mann zubereiten und Arbeiten für den Haushalt vorbereiten. Gegen 6.00 Uhr bewirtschaften sie dann ihre Kaffeeplantage oder ihr Aloe Vera Feld. Oft treffen sie sich im Frauenhaus der Zentrale von COMUCAP. Stundenlang wird dabei oft über die weiteren Pläne  und Anschaffungen der Frauen diskutiert. Ökotourismus ist ein weiteres Betätigungsfeld, das sie aufgegriffen haben. Es ist nicht einfach für die Frauen,  denn geschenkt bekommen sie nichts. Landkäufe, die sie  tätigen werden oft von Banken finanziert und sie zahlen zunächst jahrelang nur die Zinsen. Oft wissen sie nicht, wie sie ihre Projekte finanzieren sollen, wenn die Ernte  mager ist oder ganz ausfällt. Gegen 18.00 Uhr verlassen dann die meisten Funktionärinnen die in Marcala gelegene Zentrale und fahren kilometerweit in die Berge, wo sie mit ihren Familien leben. Manche von ihnen haben bis zu 8 Kinder und manchmal auch noch den Ehemann zu versorgen. Ihr Arbeitstag endet dann oft erst spät abends gegen 22.00 Uhr. Bezahlte Arbeit gibt es hier wenig. Die Arbeiter auf den Plantagen der COMUCAP- Frauen erhalten 100 Lempiras  am Tag dies entspricht ca. 3,– €. Manche können gar nicht bezahlt werden, wie auch unser Wächter Nicolas bei den Cabañas in den Bergen, der hier nur Wohnrecht genießt und nur zeitweise bezahlt werden kann. Er passt auf die neu errichteten Ferienwohnungen auf, wo künftig Touristen ihren „Ökourlaub“ verbringen sollen. Noch aber sind die Häuser nicht fertig. Der Strom geht zwar bis vor das Grundstück, die Häuser sind jedoch nicht angeschlossen. Die vier Ferienhäuser liegen inmitten einer Aloe Vera Plantage, absolut ruhig. Die Anfahrt ist noch sehr abenteuerlich über holprige Erdstraßen. Wir verbrachten eine Nacht auf dem in ca. 1700 m hoch gelegenen Grundstück. Nicolas musste auf uns aufpassen. Wir waren uns sicher, dass er die ganze Nacht nicht geschlafen hat und mit seiner Machete neben unserem Auto gewacht hat. Die Sicherheit ist hier noch ein  großes Problem. Wir fühlten uns zwar nicht unsicher, waren dann aber etwas verwundert, als wir einen spätnachmittags Spaziergang unternahmen und uns die COMUCAP – Mitarbeiter  mit dem Auto auflasen, gerade an einem Gedenkkreuz am Straßenrand. Genau hier wurde ein Fußgänger vor einiger Zeit erschlagen und ausgeraubt und wir sollten uns hier nicht mehr aufhalten, meinten sie. Wir fuhren mit ihnen zu unserem Stellplatz zurück. Hier war gerade der Inspekteur von „Fair Trade“ mit den Frauen im Gespräch. Er kam aus Guatemala, wie er uns erzählte und kontrolliert, wie schon erwähnt, den ökologischen Anbau hier und in ganz Mittelamerika. Dies überraschte uns positiv und stärkte unser Vertrauen in Bioprodukte enorm. Bald zog die „Karawane“ weiter und wir blieben mit unserem Wächter Nicolas allein zurück. Es wird ganz schnell kühl in dieser Höhe und unser neuer Freund Nicolas schien zu frieren. Wir schenkten ihm eine gefütterte Regenjacke aus meinen Beständen. Er freute sich riesig und behielt sie gleich an. Diese war  ihm zwar zwei Nummern zu groß,  doch trug er  sie sichtlich mit Stolz. Am nächsten morgen fuhren wir wieder in das tiefer gelegene Marcala und besichtigten  da noch die Rösterei und andere Anlagen, die unter der Obhut der Frauen stehen. Mit zunehmender Aufenthaltsdauer legte sich auch ihr Misstrauen uns gegenüber und sie malten schließlich für unser Projekt „PanAmericanArte“.  So begeistert und vertieft, dass sie vergaßen, dass sie Essen am Herd hatten. Als schließlich dichter Rauch aus der Küche drang, sprangen sie erschreckt auf und liefen dorthin. Die Tortillas brannten schon oder waren verkohlt. Am Ende lachten sie nur alle über sich selbst. Die verkohlten Reste schnappten sich die Hunde von der Straße. Sie bestellten dann beim Chinesen Reis mit Garnelen und Fleisch. Wir wurden dazu eingeladen und es schmeckte uns hervorragend. Doch dann erinnerten wir uns an einen Filmbeitrag, den wir wenige Tage zuvor im honduranischen Fernsehen gesehen hatten. Hund wird hier sehr gerne gegessen. Wir dachten uns nur:“ Ein Chinese in Honduras, welches Fleisch wird er wohl verwendet haben?“ Wir getrauten uns nicht nach zu fragen und aßen alles fein säuberlich auf. Zufrieden beendeten wir den Tag, hier bei den Kaffeebäuerinnen in Marcala. Eigentlich wollten wir früh morgens gleich los – Richtung Tegucigalpa, doch dann erzählten die Frauen von einem  Lempira-Fest, ganz in der Nähe ihrer Rösterei und wir durften noch erleben, wie fröhlich diese Menschen trotz ihrer Armut sein können. Es war nur ein Schulfest, bei dem auch die Honoratioren der Gemeinde anwesend waren. Die als Indianer und Spanier verkleideten Kinder spielten den Kampf von Häuptling Lempira gegen die Spanier nach. Auch die Wahl einer Schönheitskönigin durfte nicht fehlen. Jede der 9 verkleideten Bewerberinnen stellte eine andere ethnische Volksgruppe Honduras dar. Bei den Ansprachen der Honoratioren bedankte sich der Vertreter des Kultusministeriums bei den Lehrern, dass diese auch Schule abgehalten haben, obwohl sie oft ihre Gehälter nicht ausbezahlt bekamen. Er freue sich aber, so weiter, dass das Ministerium heuer bisher pünktlich bezahlen konnte. Es ist schwierig hier, was die Ausbildung betrifft. So erzählte uns eine Lenka, dass sie gerade vor ein paar Tagen die Schule besetzt hatten, da ihre Kinder schon seit vier Wochen keinen Unterricht mehr hatten, da der Lehrer in Ruhestand ging. Nachdem sie die Direktorin für einen Tag in ihr Büro einschlossen und die Schule besetzten, bekamen sie die Zusage, dass unverzüglich zwei neue Lehrer eingestellt werden. Ausbildung bedeutet den Lenkas viel, denn sie wissen, dass sie nur mit einer guten Ausbildung eine Chance haben. Stolz erzählten sie uns dann zum Abschluss noch, dass bereits einige Lenkas aus ihren Reihen ein Stipendium zum Studieren erhalten haben. Mit vielen neuen Einrücken und einem wunderschönen Bild, von Lenkafrauen gemalt, verließen wir Marcala  schließlich dann Richtung Tegucigalpa. Wir kamen bis Danli und blieben im schön gelegenen Hotel Alexandra, das uns alle Annehmlichkeiten bot, Swimming Pool inklusive. Als wir dann am nächsten Tag, inzwischen der 19. Juli 2013, weiterfahren wollten, bemerkte ich einen Ölfleck unter dem Auto. Der Hotelbetreiber wusste eine Werkstatt in Danli, die wir dann aufsuchten. Ohne Wartezeit wurden wir sofort bedient und zwei Mechaniker machten sich daran den „Simmering“ zu wechseln. Zwei Stunden später waren wir wieder auf der Piste, passierten dann unspektakulär die Grenze zu Nicaragua und fuhren Richtung Managua.

N I C A R A G U A

Je näher wir der Hauptstadt Nicaraguas kamen, desto dichter wurde der Verkehr. Fahrzeugschlangen von Bussen und mit Menschenmassen überladene LKW´s. und alle wollten in die Hauptstadt. Als wir Managua erreichten, war der Verkehr so dicht, dass wir uns entschlossen das Hotel Camino Real anzufahren. Es war ein pick feines Haus. Hier konnten wir zu einem Sonderpreis am bewachten Parkplatz stehen bleiben und durften die Pools benutzen. Die Wächter erzählten uns, dass heute Nationalfeiertag in Nicaragua ist und die ganze Stadt abgesperrt wurde, da Massenkundgebungen in der Innenstadt stattfinden. Intuitiv haben wir wieder richtig gehandelt, denn es hätte kein Durchkommen gegeben. Am nächsten Tag fuhren wir nach Managua rein. Dabei beschlossen wir weiter nach Granada zu fahren, diese Stadt sollte nach Aussagen auch viel interessanter sein. Es begann wieder heftig zu regnen, soviel, dass der Verkehr teilweise ganz zum stehen kam.

Die Stadt Granada – ein Juwel in Nicaragua.

Zwar verspätet aber dennoch erreichten wir Granada und fanden auf dem zentral gelegenen Gelände des Roten Kreuz einen sicheren und günstigen Stellplatz. Nur wenige Meter von der Hauptstrasse und gegenüber dem Hotel Granada, dem besten Haus am Platz. Es sollten fünf Nächte werden, die wir in dieser schönen historischen Stadt direkt am Lago Nicaragua verbringen. Hier entdeckten wir auch die Stiftung von dem Entertainer Dietmar Schönherr und dem Priester und Politiker Ernesto Cardenal. In diesem wunderbaren Haus mitten im Zentrum trafen wir auf viele Künstler, die auch für unser Projekt malten. Zu verdanken hatten wir das alles dem Leiter der Stiftung Dieter Stadler. Dieser wundervolle Ort ist Anlaufpunkt vieler Nicaragua Touristen und so war es kein wirklicher Zufall, dass wir hier  auch unseren australischen Freund Robert wieder trafen und mit ihm gemeinsam durch die Straßen der Altstadt streiften. Nach einem gemeinsamen Frühstück, jetzt schon der 26. Juli, zog es uns weiter zur Insel Ometepe inmitten im Lago Nicaragua.

Ometepe – zwei Vulkane und Natur pur.

Die Anlegestelle der Fähre erreichten wir in zwei Stunden. Che Guevara hieß das Boot. Es war nicht besonders groß. Wir dachten beim Beladen nicht viel darüber nach dass nur 5-6 Fahrzeuge drauf passten und wie klein die Fähre eigentlich ist. Als wir die Anlegestelle und den schützenden Hafenkai dann verließen begann es fürchterlich zu schaukeln. Der riesige See und starker Wind, so bauten sich bis zu 2 m hohe Wellen auf und die kleine „Nussschale“ wurde hin und her geschaukelt. Unser „Balu“ stand zwar im Schwerpunkt der Fähre, dennoch konnte ich es kaum mit ansehen, wie er mit seiner Höhe hin und her wackelte und das Bordpersonal nervös versuchte ihn irgendwie zu fixieren. Nach ca. 1 ½ Std. war der Spuk dann erst mal vorbei und wir erreichten Ometepe. Eine Insel mit zwei Vulkanen. Hier war alles noch ursprünglicher und die Einheimischen wirkten ziemlich „relaxed“. Wie wir später erfuhren, lag das auch daran, dass es hier wenig Arbeit gibt. Sie teilen sich diese „wenige Arbeit“ dann so auf, dass jeder für 3-4 Std. am Tag eine Beschäftigung hat. Meist arbeiten sie im Tourismusbereich und in der Landwirtschaft oder als Fischer. Wir hatten von der „Finca Magdalena“ nur Gutes gehört und da wollten wir hin. Tatsächlich entpuppte sich diese Finca als kleines Paradies, mit Blick auf den See und auf einen der Vulkane. Auch hier wird Ökotourismus betrieben und viele „Bagpacker“ kommen hierher. Man kann einfach übernachten, es gibt leckeres Essen und alles zu günstigen Preisen. Außerdem ist es ein Ausgangspunkt zu vielen Exkursionen zu den Vulkanen oder auch zu Petroglyphen, die auf eine frühe Besiedlung der Insel hinweisen. Obwohl wir gesundheitlich etwas „gebeutelt“ wurden hat es uns sehr gut hier gefallen. Wir entschlossen uns dann, die ganze Insel zu Umrunden und machten uns auf den Weg. Uns boten sich wunderschöne Eindrücke von Land und Leuten, was die sehr schlechten Erdwege schnell wieder vergessen lies. Ich hatte schon vorher ein Problem mit einem Gerstenkorn im Auge das sich zusehends verschlechterte. Wir machten uns auf die Suche nach einer Apotheke. Tatsächlich konnten wir Augentropfen in einer kleinen Pulperia auftreiben, denn eine Apotheke gibt es nicht. Als ich dann im Internet zur Sicherheit nochmals recherchierte musste ich feststellen dass diese Tropfen ausschließlich bei Tieren Anwendung finden. Hier werden sie jedoch auch von den Menschen benutzt. Ich war skeptisch und wir fuhren deshalb weiter zum größten Ort der Insel. Dort habe ich dann doch noch meine Tropfen in einer Drogerie auftreiben können, sonst hätten wir die Insel vorzeitig verlassen müssen. Am 31. Juli  war es aber dann doch soweit und wir verließen wieder mit der „Che Guevara“ die Insel. Die Rückfahrt war nicht ganz so heftig wie die erste Überfahrt, denn es  gab weniger Wind und so konnten wir von der Fähre aus nochmals schöne Eindrücke von der Insel aufnehmen. Wieder am Festland angekommen führte unser Weg nach San Juan del Sur  und weiter bis zu der an der Pazifikküste gelegenen „Playa Mayagalpa“. Wir standen bei Matilds Camping, direkt am Strand. Dort trafen wir auf eine Gruppe Belgier, die mit ihren in Guatemala gekauften Mopeds bis Feuerland fahren wollen. Auch ein abenteuerliches Unterfangen dachten wir nur. Hier gab es auch ganz tolle purpurfarbene Krebse, die wir so noch nicht gesehen hatten. Dies war die letzte Station in Nicaragua.

C O S T A  R I C A

Wieder in Costa Rica angekommen, besuchten wieder die Schweizer Agi und Guido. Sie pflegten immer noch das vom Baum gefallene Faultier namens „Linda“. Wir waren jetzt zum dritten Mal hier und es hat uns immer gut gefallen bei ihnen. Diesmal blieben wir aber nicht lange, denn wir wollten weiter zur Playa del Coco. Hier war Mariana öfters in ihrer Kindheit. Den schönen Strand gibt es immer noch, doch es ist nicht mehr so ursprünglich, wie vor  über 40 Jahren. Viele, hauptsächlich nordamerikanische Touristen und der „Trubel“, den der Tourismus mit sich bringt. Hier wollten wir nicht bleiben und steuerten die „Playa Carillo“ an. Hier fanden wir das, was wir suchten. Einen herrlichen und ewig langen Strand und einen Stellplatz „for free“. Obwohl viele einheimische Kurzurlauber das Wochenende hier verbrachten, war genügend Platz für alle da. Hier trafen wir dann auch das argentinische Ehepaar Mechi und Diego, das mit ihrem alten VW-Bus auf ihrer „Compartiendo Latinamerica-Tour“ Richtung Kanada unterwegs war. Drei Tage standen wir zusammen, tauschten dabei viele Erfahrungen aus und genossen das „Strandleben“.

Schildkröten beobachten am Pazifikstrand.

Uns zog es nun zu den Schildkröten, die es angeblich zu der Zeit beim „Reserva Camaronal“ zu sehen gab. Hierbei handelt es sich um eine staatliche Schutzeinrichtung für Schildkröten. Wir fragten die Wildhüter, die hier leben und auf die Schildkröten aufpassen, ob wir eine Nacht  am Parkplatz stehen bleiben dürften. Dies war kein Problem und so nahmen wir auch an der nächtlichen Führung teil. Bei Dunkelheit kommen die Schildkröten an Land, graben Löcher und legen ihre Eier darin ab, bevor sie diese wieder fein säuberlich zuschütten und sogar ihre Spuren verwischen. Wir hatten Glück, es kamen in dieser Nacht 12 Schildkröten an den Strand und konnten diese, Dank der Führer, gut beobachten. Obwohl wir den etwa 2-3 km langen Strand mehrmals ablaufen mussten, bis wir auf welche trafen, war es doch ein einzigartiges Erlebnis.

Malen für das Fernsehen.

Am nächsten Morgen mussten wir nach wieder nach Coronado. Dort hatten wir Maltermine mit verschiedenen Künstlern und der beliebteste landesweite  TV-Sender „Canal 7“ wollte eine Reportage über unser Projekt drehen. Alles hat dabei dann gut geklappt. Wir standen wieder auf unserem bekannten Platz vor dem Casa Comunal. Auch die eingeladenen Künstler und das Fernsehen kamen pünktlich. So wurde über vier Stunden gemalt und nebenbei noch eine kleine Reportage über unsere Reise und unserem Projekt abgedreht. Zufrieden mit allem machten wir uns aber bald wieder auf den Weg, denn wir wollten die Gastfreundschaft hier nicht überstrapazieren. Hier wurde uns schon so oft geholfen.

Die Umkehr.

Die „Playa Dominical“ am Pazifik stand als nächstes auf unserer Liste. Auf dem Weg dorthin mussten wir allerdings einen Halt in „Playa Jaco“ einlegen. Eine Touristenmetropole mit „Bettenburgen“, nichts für uns. Wir waren fast froh, als wir unseren Camping-Stellplatz zwischen den Hochhäusern wieder verlassen konnten. Inzwischen war der 8. August und wir erreichten den herrlichen Strand von „Playa Dominical“ Wieder hatten wir ein weiteres kleines Paradies entdeckt. Zwei Tage nur zum „Abhängen“ und für Strandspaziergänge. Wir aber wollten noch weiter in die Einsamkeit zur „Peninsula Osa“. Über diese Halbinsel wollten wir zur „Drake Bucht“ gelangen. Hier soll der legendäre Pirat Sir Francis Drake, der  im Auftrag der englischen Königin Elisabeth I. plünderte, öfter vor Anker gelegen haben. Diese machte insbesondere mich neugierig. Die Fahrt dorthin sollte sich allerdings nicht einfach gestalten. Mindestens sieben Flussdurchquerungen standen uns bevor und in den Karten waren nur  einfache Erdstraßen eingezeichnet. Also verließen wir die asphaltierte Hauptstrasse  und machten uns auf den Weg zur „Drake Bucht“. Anfangs waren die Flussüberquerungen durch kniehohes Wasser einfach. Je näher wir  doch unserem Ziel kamen, desto tiefer wurden die Flüsse. Das Wasser reichte schon bis zur Motorhaube und alle Warnlampen im Auto begannen aufzuleuchten. Die Autoelektrik  hatte Wasser abbekommen und spielte total verrückt. Wir hatten noch 13 km zur Bucht und wollten uns das Erlebnis nicht entgehen lassen und fuhren deshalb auch weiter. Nach weiteren drei km fand unser „Ausflug“ zur Drake Bucht  doch sein Ende. Die letzte Flussdurchquerung war für uns nicht mehr machbar. Wasser bis zur Höhe der Windschutzscheibe das war zuviel, obwohl uns nur  noch 11 km fehlten. Wir kehrten um und fuhren enttäuscht wieder zurück. An Abenteuer fehlte es uns trotzdem nicht, denn der Weg bis zur Umkehr war beschwerlich und abenteuerlich genug. Wieder die ganzen Flussdurchfahrten und holprigen Wege. Nach ca. drei Stunden erreichten wir wieder die Hauptstrasse. Wir waren dann aber auch sehr froh, den die Warnlampen hörten nicht auf uns auf ein Problem hinzuweisen. Auf dem schnellsten Weg steuerten wir dann die nächste größere Ortschaft an, um eine Werksatt aufzutreiben. Wir fanden auch welche und jede gab eine andere Diagnose ab. Keine von allen überzeugte uns sonderlich, deshalb entschlossen wir uns zur schönen Playa Dominical zurück zu fahren. Nach 6 Std. Fahrt erreichten wir bei Dunkelheit wieder unseren alten Platz, den wir früh morgens verlassen hatten. Durch das Abtrocknen des Fahrzeuges erledigte sich unser Problem von selbst. Die Warnleuchten erloschen zwar alle, dennoch besuchten wir eine Toyota Werkstatt an und ließen alles noch einmal durchchecken.

Costa Ricas Bergwelt.

Mit ruhigem Gewissen begaben wir uns dann in die Bergwelt von Costa Rica. Wir wollten in den Bergen den seltenen Quetzal-Vogel sehen. Die Straße wand sich auf 3.300 m hoch, bis wir den „Mirador de los Quetzales „ erreichten. Hier war es richtig frisch, dennoch eine willkommene Abkühlung. Wir blieben die Nacht über auf dem Parkplatz des Mirador. Vor Sonnenaufgang machten wir uns dann mit einem Führer auf den Weg um diesen bunten und seltenen Vogel zu sehen. Und tatsächlich waren sie plötzlich da, die Quetzale. Bunt gefiedert, Männchen und Weibchen und einige auch mit langen bunten Schwanzfedern flatterten sie von Baum zu Baum. Hier hoch in den Bergen wachsen auch die Früchte die von ihnen am liebsten gefressen werden erzählte unser Führer. Dann lockte er sie weiter mit eigenartigen Geräuschen. Sie waren auch viel  größer als wir uns das vorgestellt hatten. Etwa zwei Stunden verfolgten wir sie, ehe wir zufrieden klein bei gaben und unsere Fahrt fortsetzten. Über Cartago eilten wir nach Orsi, ein kleiner Ort mit einem angenehmen Klima. Hier beabsichtigten wir  wieder ein paar Tage zu pausieren.

Vom Pech verfolgt.

Auf der Suche nach unserem Stellplatz, plötzlich ein knackendes Geräusch. Ich wusste sofort, das wird unangenehm. Ich sollte Recht behalten. Unser linkes Gleichlaufgelenk war gebrochen. Bisher wusste ich gar nicht, dass wir so etwas überhaupt haben. Es war wieder Wochenende, also blieb uns nichts anderes übrig, dieses abzuwarten. Wir blieben bei den Schweizer Auswanderern Freddy und Franziska und begaben uns am frühen Montag dann wieder in die Werkstatt von Oscar in Coronado die nur ca. 45 km entfernt lag. Man kannte uns da schon und man erwartete uns bereits, da wir unser Kommen bereits avisierten. Glücklicherweise hat Oscar das Ersatzteil irgendwo günstig aufgetrieben und am späten Nachmittag schon konnten wir die Werkstatt wieder verlassen.

In größter Not.

Zurück nach Orsi wollten wir und das auf dem schnellsten Weg den es wurde ja bald dunkel. Emanuel der Mechaniker war aus der Gegend von Orsi und wusste eine Abkürzung über die Berge. Dadurch sollten wir dem lästigen Berufsverkehr zwischen Cartago und San José entkommen. Auch unser GPS erkannte den Weg und wir folgten der Ansage. Als wir los fuhren begann auch wieder fürchterlich zu regnen. Unser GPS meinte, wir sollten nach rechts abbiegen als wir den höchsten Punkt erreichten und wir folgten ihrer Ansage. Die Strasse ging in einen Feldweg über, wurde immer enger und führte uns steil nach unten. Wassermassen hatten tiefe Furchen in die Fahrbahn gewaschen und blanker Fels war zu erkennen. Wir wollten umkehren, doch zwecklos. Es gab absolut keine Möglichkeit zu wenden und den gefahrenen schmierigen und engen Weg zurück wollte ich auch nicht mehr riskieren. Uns blieb nur noch ein unbekannter Weg nach unten ins Tal. Wir schlitterten im wahrsten Sinne des Wortes ganz unvorhersehbar und ungewollt in unsere bisher gefährlichste Situation. Nur ein Weg aus blankem, rutschigem Fels mit tiefen Rinnen führte steil abwärts. Unsere Not war groß, es goss in strömen und die Dunkelheit brach herein. Ich hielt an und erkundete den weiteren Weg zu Fuß. In ca. 500 m trafen wir wieder auf einen Weg, dass war die gute Nachricht. In dem Steilstück waren aber ca.100 m, die ich für unpassierbar einstufte, das die schlechte Nachricht, die ich Mariana, die im Auto auf mich wartete überbringen konnte. Pitschnass und „gefrustet“ stieg ich nochmals aus und inspizierte Meter für Meter der besagten Stelle. Wir mussten da runter, wie auch immer. Mariana sollte aussteigen und das Stück laufen, denn mir erschien es zu gefährlich im Wagen sitzen zu bleiben. Ich legte den kleinsten Gang ein und tastete mich abwärts. Genau an der gefürchteten Stelle begann „Balu“ zu rutschen und stellte sich quer. Das Fahrzeuggewicht schob uns nach unten. Ich musste runter von der Bremse, denn wenn ich quer in eine Rinne rutsche, kippt das ganze Fahrzeug, war mein Gedanke – und ich reagierte entsprechend. Dieser Alptraum dauerte zwar nur wenige Minuten, aber ich war noch nie so froh wie da, dass ich diese 150 m heil herunter gekommen bin. Wir waren bis dahin schon ca. 60.000 km gefahren und haben kaum eine schlechte Straße ausgelassen, doch dieses Stück ist nicht mehr zu toppen, stellten wir beide hinterher fest. Wir hatten das Glück wieder auf unserer Seite und schafften es ohne Schäden doch noch in Orsi anzukommen. Ab diesem Zeitpunkt schwand auch das Vertrauen in unser GPS auf ein Minimum. Noch das Erlebte im Kopf aber glücklich, dass uns nichts passierte, setzten wir am nächsten Tag unsere Fahrt fort.

Costa Ricas schönster Karibikstrand.

Punta Uva an der Karibikseite fuhren wir an. Dort erwarteten uns am Strand schon Uwe und Claudia aus Nürnberg. Dort an diesem malerischen Strand wollten wir uns von dem Schrecken, der noch tief in unseren Knochen saß, erholen. Die Umgebung machte uns das dann sehr leicht. Schnell vergaßen wir das Vorgefallene und genossen den traumhaften Karibikstrand. Sonne, weißer Sand, Palmen und glasklares Wasser hielten uns die nächsten Tage in ihrem Bann.  Wir campten mit „Balu“ alleine einige km abseits vom Ort an der „Playa“. Wir konnten Lagerfeuer machen und bei einem Glas Rotwein den Sternenhimmel bewundern. Vier Tage hielt es uns hier, bevor wir uns dann über die Grenze nach Panama begaben.

P A N A M A

Wir kamen bis Almirante und wollten die Fähre zu den Inseln „Bocas del Toro“ nehmen. Da uns die Überfahrt aber zu teuer erschien, blieben wir nur eine Nacht im Hafen vor der Fähre und starteten früh morgens Richtung David. Durch Indiogebiet und schöne Landschaften über die Berge hatten wir schon David im Blickfeld als unser Fahrzeug plötzlich wieder furchtbare Geräusche von sich gab. Es hörte sich nicht gut an und wir überlegten, ob wir noch bis zur ca. 20 km entfernte Stadt David fahren können. Abschleppen oder sich selbst noch hinschleppen, das waren unsere Alternativen.

Werkstatt – „Hoping“

Wir entschieden uns für letzteres. Wieder stand das Wochenende vor der Tür. Es war Samstag der 17. August als wir gegen 11.00 Uhr die Toyotawerkstätte in David erreichten. Die Mitarbeiter ließen uns aber wissen, dass sie uns nicht mehr annehmen werden, denn um 13.00 Uhr wird  der Betrieb geschlossen und sie schickten uns weiter. Wir klapperten mehrere andere Werkstätten ab und landeten wieder bei Toyota. Hier hatte uns ein Mitarbeiter gesagt, wenn wir nichts finden, dann sollten wir uns noch einmal bei ihm melden. Dieser vermittelte uns dann einen Toyota-Mechaniker, der selbst noch eine kleine Werkstatt unterhielt. Er untersuchte unser Fahrzeug und stellte fest, dass unser Differenzialgetriebe den Geist aufgegeben hatte. So verbrachten wir zwangsläufig das Wochenende in den Bergen in Boquete. Hier trafen wir auch unsere Freunde Uwe und Claudia und Lothar und Martina, die da auch standen. Gleich am Montagmorgen machten sie sich daran das Getriebe zu zerlegen. Sie besorgten die Teile und mit zwei anderen Jungs von Toyota bauten sie alles wieder zusammen. Bei der Gelegenheit stellten sie auch noch fest, dass unsere Wasserpumpe leckt und auch dringend ausgetauscht werden sollte. Wieder am Boden der Realität angekommen. Zwei Tage später konnten wir aber wieder weiterfahren und fuhren direkt zu dem etwa 20 km langen Strand von „Playa Las Lajas“, wo uns unsere Freunde schon erwarteten. Dort standen wir zwei Tage zusammen. Ein herrlicher Strand und während der Woche fast menschenleer. Uns aber trieb es weiter Richtung Süden nach Santiago. Wir stoppten da am Supermarkt zum Einkaufen als wir mit schrecken feststellten dass unser Getriebe wieder Öl verliert. Sofort informierten wir unsere Mechaniker und fuhren die 200 km zurück nach David. Erstmals wurden wir bei einer Polizeikontrolle mit einem Röntgengerät kontrolliert. Wir kannten das nur von den USA her. Dies hielt uns nur auf, weiter nichts. Wieder in David angekommen zerlegten die Jungs unser Getriebe noch einmal und setzten es wieder zusammen. Am nächsten morgen konnten wir dann wieder weiter fahren. Es war heiß in der Gegend von David, deshalb entschlossen wir uns übers Wochenende in die Berge zu fahren.

Santa Fe in den Bergen Panamas

In dem niedlichen Bergdorf „Santa Fe“ fanden wir dann wieder unsere Ruhe. Wir standen im Garten von Anayasni die hier einen kleinen Kunstladen betreibt. Sie nahm uns nicht nur mit tiefer in die Berge, wo ihre Mutter lebt, abseits von Straßen und Zivilisation, sie malte dann auch für uns. Wir bedankten uns mit meiner Spezialität Gulasch und luden sie und ihre Familie in den „Balu“ zum Essen ein. Sie waren alle sichtlich begeistert, vom Gulasch und vom Ambiente. Am Montagmorgen machten wir uns wieder vom Acker. Über Santiago wollten wir weiter nach Panama City. Als wir wieder am Parkplatz des Supermarktes standen wurden wir von drei jungen Burschen angesprochen ausgestattet mit Gitarre und ihren Bildern. Als wir ihnen über unser Projekt erzählten, wollten sie sofort malen. Wir bauten am Eingang zum Supermarkt alles auf und sie begannen sofort. Dies entwickelte sich regelrecht zu einem „Event“. Leute blieben stehen, schauten zu, hörten die Musik der Jungs an und spielten selbst mit der Gitarre. Der Chef des Supermarktes war begeistert und erlaubte uns dann auch über Nacht hier stehen zu bleiben. Am nächsten Tag kamen wir  bis Santa Clara wo wir neben dem Restaurant am Strand stehen konnten.

Wir treffen Regensburger.

Am späten Nachmittag waren wir neben einer Gruppe von Touristen, die unter einer Palappa am zugehörigen Strand lagen,  noch die einzigen Gäste. Der Restaurantbetreiber gab uns die Schlüssel vom Tor denn er wollte nämlich schnell nach Hause. Wir sollten lediglich die letzten Besucher raus lassen und dann absperren. Dabei stellte sich heraus, dass diese Besucher Regensburger waren und sie gleich um die Ecke von uns  in Regensburg wohnen – Zufälle gibt´s!

Panama City, die moderne Metropole.

Am 28. August erreichten wir dann Panama City. Eine moderne Großstadt mit einer tollen Skyline. An allen Ecken und Enden schießen modern verglaste Wolkenkratzer in den Himmel. Die Architekten können hier anscheinend ihren Phantasien freien Lauf lassen. Bewohnt werden diese Gebäude, sofern sie nicht von Banken genutzt werden, von reichen Nordamerikanern, die sich hier ihren Alterssitz einrichten. Panama City ist für sie geradezu ideal. Sie haben kurze Flugzeiten, warmes Klima und es fehlt an nichts. Wir begnügten uns mit einem Stellplatz etwas außerhalb der City auf der „Isla Perico“, eine der Inseln, die seit dem Bau des Kanals mit dem Festland verbunden sind. Hier standen wir auf dem Parkplatz vor dem Hotel Amador Ocean View, mit herrlichem Blick auf die „Skyline“ von Panama City. Von hier aus starteten wir eine Sightseeing Tour mit dem Bus. Diese führte uns durch die City und auch zu den Miraflor Schleusen. Es ist schon interessant zu beobachten, wie sich die riesigen Ozeanschiffe den Kanal hocharbeiten und dabei sind das nicht mal die größten. Es wird schon überall an der Verbreiterung des Kanals gearbeitet. Zu Fuß erkundeten wir auch „Casco Viejo“ die alte Stadt mit dem Präsidentenpalast. Wir fanden in Joseep, auch einen Kuna-Künstler, der zusammen mit Lourdes für unser Projekt malte.

Die Verschiffung von Colon nach Cartagena.

Wir wechselten dann unseren Stellplatz zum Yachthafen denn hier traf man sich um die Verschiffung vorzubereiten. 9 weitere Fahrzeuge warteten hier auf ein Schiff nach Kolumbien. Am 2. September fuhren alle zusammen im Konvoi zunächst zur Polizei wo die Fahrzeugdaten überprüft und festgehalten wurden. Am folgenden Tag konnte man sich die Papiere beim Zoll abholen und tags darauf das Auto im Hafen von Colon zum Beladen abgeben. Alles lief relativ reibungslos, nur Charles verzögerte alles. Der New Yorker beschwerte sich überall und über alles, was den Ablauf immer wieder verzögerte. Er wollte den Agenten auch nicht bezahlen und suchte „Verbündete“, fand aber wenig Zuspruch in der Gruppe. Für Charles hatte es letztendlich die Konsequenz, dass sein Fahrzeug zwar nach Cartagena verschifft wurde, von da ging es aber umgehend wieder Retour nach Panama. Am Donnerstag den 4. September stand „Balu“ dann im Hafen von Colon

Mit dem Katamaran von Portobello nach Cartagena.

Mit dem Bus ging es zurück nach Panama und es folgte eine Nacht im Hostel Mamallena. Hier trafen sich viele“ Bagpacker“, die auch mit dem Segelboot nach Cartagena wollten. Früh morgens um 6.00 Uhr startete der Kleinbus zum Hafen von Portobello hier lag die „Jaquline“ vor Anker. Mit ihr wollten wir nach Cartagena übersetzen. Fritz, ein Österreicher und Kapitän des Bootes erwartete uns schon. 19 Passagiere  waren an Bord des Katamarans gekommen, meist junge Leute aus aller Herren Länder. Fritz machte noch eine Einweisung und verteilte die Kajüten. Dann lies er uns wissen, dass er selber nicht das Boot führt, da er zu tun hatte. Wir erfuhren dabei, dass Fritz in Kanada eine Fähre gekauft hat, mit der er künftig zwischen Colon und Cartagena pendeln will.  Er hat sie uns auch gezeigt, da sie auch im Hafen von Portobello lag. Eine RoRo-Fähre ist natürlich der Traum aller Panamericana Reisenden. Sie sollte nach seinen Aussagen in zwei Monaten startklar sein. Man kann dann an einem Tag übersetzen. Er stellte uns dann zwei junge Kapitäne und den Schiffskoch vor, die dieses Mal die Jaqueline nach Cartagena steuern werden. Manuel war einer der Kapitäne. Er wird künftig auch für die Autofähre verantwortlich sein.

S A N  B L A S

Gegen Mittag verließen wir dann bei herrlichem Sonnenschein den Hafen und steuerten die Isla Chicita an. Nach einem leckeren Abendessen, das Elias der Schiffskoch zubereitete, war dann Party angesagt. Die Nacht war etwas laut, es blieb jedoch auch bei der einen. Am nächsten Morgen als wir an Deck kamen hatten wir Regen und hohen Wellengang. Seit 2.00 Uhr morgens war das Schiff schon wieder unterwegs zu den San Blas Inseln. Wir erreichten die Inseln am späten Vormittag. Die See legte sich und unsere Kapitäne fanden einen schönen Ankerplatz zwischen den herrlichen Karibikinseln. Nicht alle der ca. 370 San Blas Inseln sind bewohnt. Manche sind so klein, dass nur eine Palme darauf wächst. Die „Kunas“ bewohnen diese Inselgruppe. Sie sind entweder Fischer, sammeln große Muscheln, weben Molas oder stellen andere Kunstgegenstände her, die sie in Panama oder Kolumbien oder an vorbeisegelnde Reisende verkaufen. Den Rest des Tages konnten wir auf den Inseln oder auch mit Schnorcheln verbringen. „Die Party“ fand diesmal auf einer der Inseln statt. Am dritten Tag brach die „Jaqueline“ dann wieder früh morgens zu einer weiteren traumhaften Insel mit dem Namen „Cayos Holandeses“ auf. Hier lagen wir wieder einen Tag vor Anker. Wir besuchten die „Kunas“, die übrigens für den Besuch der Insel 2,-US$ pro Person verlangen. Schließlich verwalten sie die Inseln eigenständig, lies uns der „Dorfälteste“ wissen. Wir kamen mit den Kunas, die neben ihrer eigenen Sprache auch etwas spanisch sprechen, ins Gespräch. Sie wollten Reis und Zeitschriften zum Lesen von uns haben. Selbstverständlich haben wir ihnen alles besorgt und waren sogleich in ihrer Mitte akzeptiert. Manuel unser Kapitän fing dann einen dicken Fisch und kaufte noch Riesenkrabben bei den Kunas ein. Elias bereitete daraus dann wieder ein tolles Essen zu. Wir waren nicht nur vom Essen an Bord begeistert auch die Gruppe der Mitreisenden passte gut zusammen und alles verlief sehr harmonisch. Um die Insel  Cayos Holandeses lag ein Riff, wo sich ausgezeichnet schnorcheln ließ. Wir fanden eine „noch“ tolle Unterwasserwelt vor, der man den „Stress“ der Zivilisation aber schon deutlich ansieht. Am Samstagabend wurde der Anker gehievt und wir brachen auf nach Cartagena. Geplante Ankunftszeit war der Montag früh morgens. Am Sonntag den 8. September hatten wir wieder Traumwetter und die See war so glatt dass sich die Wolken darin spiegelten. Elias der Koch und die beiden Kapitäne hatten so etwas auch noch nie erlebt. Es war ein guter Tag zum Faulenzen.

Kolumbien, wir kommen!

Am Montag gegen 2.00 Uhr morgens liefen wir dann in den Hafen von Cartagena in Kolumbien ein. Alle an Bord waren neugierig und deshalb wach geblieben als wir in das Lichtermeer von Cartagena eintauchten.

K O L U M B I E N

Wir hatten Südamerika erreicht. Nach dem letzten Frühstück an Bord, wurden wir mit Beibooten an Land gebracht und gemeinsam begab man sich zur „Migration“ wo wir unsere Einreisestempel erhielten. Danach trennte sich die Gruppe und wir gelangten mit dem Taxi ins Chill Out Hostal –  ein guter Platz zum Ankommen. Freundliches Personal, günstig, mitten in der Altstadt und relativ sauber. Die meisten der hier untergebrachten waren allerdings „Bagpacker“, was uns nicht störte.

Wie erging es „Balu“ war unsere Frage.

Nachdem wir unser Zimmer bezogen, kümmerten wir uns jetzt um „Balu“, der auch schon Cartagena erreicht haben sollte. Schnell hatten sich die Autobesitzer wieder zusammengefunden und wir begaben uns am frühen Nachmittag gleich zum Büro von „COMPASS“. Wir bekamen von der Reederei die Auskunft, die Fahrzeuge wären zwar alle da aber die Transportkosten sind noch nicht bezahlt worden und bekämen sie deshalb noch nicht. Die Aufregung war groß aber auch kurz. Wir nahmen mit der Agentin in Panama Kontakt auf und sie bestätigte uns telefonisch, dass sie das Fahrgeld bei der Bank einbezahlt hat. Alle mussten ja in Panama die Fährkosten in bar an die Agentin zahlen, daran führt wohl kein Weg vorbei. Wir bekamen aufgrund dieser Aussage dann Kopien unserer Frachtpapiere, mit denen wir die nächsten Schritte zur Fahrzeugausgabe einleiten konnten. So hasteten wir alle mit dem Taxi zur „DIAN“ – das ist der Zoll,  um die Zollformalitäten zu erledigen. Dort bekamen wir dann auch einen Termin für den nächsten Tag im Hafen wo ein Zollinspektor die Fahrzeuge „abnehmen“ sollte. Wir hatten schon viel erledigt für diesen Tag und genossen dann den Abend in der schönen Altstadt. Die Hektik sollte gleich am nächsten Tag weiter gehen. Gleich früh morgens um 8.00 Uhr war der Termin mit dem Zollinspektor. Zuerst wurden nach und nach die Container geöffnet unter Aufsicht von Zoll, Polizei, Hafen- und Reedereipersonal und mindestens einem Eigentümer eines Fahrzeuges. Alles wurde geprüft und immer wieder Formalitäten. Unser „Balu“ kam zuletzt dran, da er auch nicht im Container sondern „lolo“ verschifft wurde und  ca. 1 km entfernt in einem anderen Hafenbereich stand. Mit dem Zollinspektor  fuhr ich mit dem Hafenbus dorthin. „Balu“ stand noch fest verzurrt auf einer Laderampe. Es schien alles in Ordnung zu sein. Danach folgten wieder Formalitäten und die Hafengebühr musste noch bezahlt werden. Inzwischen erhielten wir auch die Nachricht, dass die Fähre bezahlt sei. Gegen 17.20 Uhr erhielten wir dann unser Fahrzeug. Es wurde vom Hafenpersonal entladen und von diesem auch zum Containerbereich hingefahren. Dort übernahmen  wir „Balu“ und konnten endlich den Hafen verlassen. Wir hatten unser „Heim“ wieder und waren froh, als wir an der Hafenausfahrt den letzten Stempel bekamen, der uns berechtigte, das Gelände definitiv zu verlassen.

Der nächste Schreck und wenig Freude mit „Balu“

17.29 Uhr – Geschafft! Wir bogen in die Hauptstrasse ein um zum Parkplatz beim Hilton Hotel Cartagena zu fahren. Dort gab es einen sicheren und kostenlosen Stellplatz im Stadtgebiet. Doch nach wenigen Metern saß uns der Schock schon wieder in den Gliedern. Beim Beschleunigen fing das Fahrzeug heftig zu vibrieren an. Mein erster Gedanke sollte sich später dann auch leider bestätigen. Das Fahrzeug wurde nicht auf die Laderampe und wieder runter gefahren, sondern mit einem Gabelstapler gehoben. Dabei hat man die Kardanwelle beschädigt. Tief geknickt fuhren wir im Schneckentempo zum auserkorenen Stellplatz. Gleich am nächsten Morgen führte unser Weg wieder zu den Büros von „Seaboard“ am anderen Ende der Bucht.

Unwetter und Blitzeinschlag.

Auf der Fahrt dorthin begann es extrem zu regnen, dass man die Fahrspuren nicht mehr erkennen konnte. Alle Strassen waren innerhalb kürzester Zeit überflutet und ein heftiges Gewitter ging hernieder. Plötzlich ein greller Blitz mit lautem Knall. Dieser schlug in den Strommasten ein, an dem wir gerade vorbeifuhren, keine 3 m entfernt von uns. Die ca. 10 km wurden zur Höllenfahrt. Wir bekamen dann im Hafen lediglich ein Formular wo wir unsere Beschwerde formulieren sollten und dieses dann nach Miami/USA zur Reederei schicken. Wir fanden aber wieder Hilfe in der Toyotawerkstatt und konnten unser Auto nach 1 ½ Tagen wieder in Empfang nehmen. Die autofreie Zeit nutzten wir um uns Cartagena anzusehen, eine Autoversicherung zu besorgen und einen Maltermin mit der Uni zu vereinbaren. Auch waren wir beim venezolanischen Konsulat um uns über die Einreisebedingungen zu informieren. Wir fanden auch ein schönes „Hostal“ mit Dachterrasse wo wir übernachteten. Mit der Polizei vereinbarten wir eine Art „Sondergenehmigung“ auf kleinem Dienstweg, dass wir mit unserem „Balu“ die Altstadt befahren und vor der  darin liegenden Uni parken können. Der Kunstprofessor  der Uni kümmerte sich um interessierte Studenten und wir malten schließlich mit 10 Studenten auf der historischen Stadtmauer von Cartagena. Am Samstag den 14. September als wir alles erledigt hatten, verließen wir Cartagena in Richtung „Bahia Concha“

Tage im Paradies.

Auf der Hinfahrt kamen wir auch am Schlammvulkan “Totumo” vorbei. Hier konnte man im Kegel ein Schlammbad mit Massage nehmen. Dies soll gut sein für die Haut und Gelenke.  Wir ließen diesen Spass nicht aus und suhlten uns zwei Stunden  in der lauwarmen Brühe. Von Indio-Frauen wird man hinterher im nahegelegenen See gewaschen. Bahia Concha ist ein im „Parque Nacional Tayrona“  gelegener Campingplatz und war ein Tipp unserer Argentinier „Mechi“ und Diego. Eine geschützte Bucht, mit glasklarem Wasser und herrlichem weißen Sandstrand – ein echtes Paradies. Es war  wahrscheinlich die Entschädigung für unsere Unannehmlichkeiten. Wir konnten am Riff Schnorcheln du es gab frischen Fisch von den  ansässigen Fischern. Bei Mondenschein in der warmen Karibik baden war eines unserer „Highlights“.  An den Werktagen waren wir  mit dem Campingwart alleine auf dem Platz. Als dann aber unsere Vorräte aufgebracht waren, fuhren wir ein Stück weiter zum „Camping Casa Grande“. Hier standen auch unsere Freunde Lothar und Martina und Uwe und Claudia. Hier verweilten wir einige Tage und entschlossen uns dann weiter nach Nordosten zu fahren.

Wieder in die Falle getappt.

In Camarones sollte es Flamingos geben. Eigentlich ist die Straße dorthin gut erschlossen, doch unser GPS und ein Ortsschild verleiteten uns wieder und wir bogen in die alte Zufahrtsstrasse nach Camarones ein. Wenn es auch nur wieder eine kurze Strecke war, bis wir den Ort erreichten, dennoch war es wieder eine Fahrt ins Ungewisse. Löcher in der Fahrbahn, abgebrochene Fahrbahnen und Brückenteile und wild verwachsene Fahrbahnabschnitte. Wieder waren wir in eine Falle getappt und hatten Glück dabei, dass wir heil durch kamen. Wir mieteten uns für wenig Geld ein Fischerboot und fuhren mit diesem auf den Fluss. Das Boot hatte keinen Motor. Mit einem langen Stock und einem einfachen Segel wurde das Boot  von José dem Fischer gesteuert. Es war sehr heiß und schwül aber die Flamingos und die Natur um uns herum entschädigten die Strapazen. Wir wollten nicht in dem kleinen Ort stehen bleiben. Außerdem mussten wir noch Einkäufe erledigen und so begaben uns in die Stadt Riohacha.

Die Nacht im „Stundenhotel“.

Doch auch hier gestaltete sich die Stellplatzsuche schwierig. Wir fanden Platz auf dem Gelände eines Stundehotels. Die Betreiber konnten zunächst so gar nicht verstehen, warum ein Ehepaar in ein Stundenhotel kommt und dann das Zimmer nicht benutzen wollte, hatten sie uns doch das Beste von allen gegeben. Wir mussten nämlich ein Zimmer buchen, um dann am Parkplatz stehen bleiben zu können. Schlafen im „Balu“ war doch die bessere Entscheidung. Das Tor war nachts über geschlossen und das Gelände bewacht und wegen der Alternativlosigkeit auch die beste Entscheidung. Der „Geschäftsbetrieb“ hielt sich in Grenzen und wir hatten eine ruhige Nacht. Schnell ging es am nächsten Tag weiter nach Cabo de la Vela auf der Halbinsel Guajira.

Bei den Indios von Peninsula Guajira.

Eine fast endlose Erdstrasse führt in dieses abgelegene Paradies. Dort angekommen standen wir mitten im Ort vor der Skite-Schule am Strand. Die Indios hier waren extrem freundlich. Der Ort beschaulich mit einigen Restaurants und Bars, dazwischen Fischer. Die Indiokinder freuten sich, als wir ihnen Getränke und Schokolade reichten, mit dem Resultat, dass wir sie kaum mehr Los wurden. Sie waren aber nicht aufdringlich. Über Nacht „bewachten“ uns sieben Straßenhunde, die zwischendurch immer wieder interne Rangstreitigkeiten hatten und nachts laut aufheulten. Pedro ein Indio wollte uns einen kürzeren Weg zurück zur Zivilisation immer am Strand entlang zeigen. Wir nahmen sein Angebot an. Die Sperre von Fischern, die mit geladener Harpune auf mich zielten, konnte er noch  mit Reden abwenden. Zu uns sagte er, es seien Verwandte. Wenige km weiter allerdings tat sich für uns ein unüberwindliches Hindernis auf. Eine Sumpfstelle, die dazu noch nur in extremer Schräglage zu passieren war. Wir kehrten um und uns blieb nichts anderes übrig als die holprige Strecke zurück zu nehmen.

 

 

       

V E N E Z U E L A

Wir verloren dadurch etwa zwei Stunden Zeit, kamen aber trotzdem noch frühzeitig zum Grenzübergang nach Venezuela. Zügig wurden wir am Grenzüberganz abgefertigt. Auf dem Weg nach Maracaibo waren zwar gute Straßen, doch wir wurden mindestens 10x  von der Polizei angehalten. Von kontrollieren kann man aber nicht sprechen, da es meist aus Neugierde geschah. Wir zeigten nur unsere Passkopien, die sie eh nicht lesen konnten und dann wollten sie in unser Auto schauen. Sie waren sehr nett und höflich und jedes Mal wurden wir „Alemanes“ mit Händedruck verabschiedet, nachdem wir die Geschichte unserer Reise erzählt hatten.

Maracaibo und die Barmherzigen Brüder.

Am späten Nachmittag erreichten wir dann Maracaibo die zweitgrößte Stadt Venezuelas. Was uns sofort auffiel war der Verkehr. Niemand hielt sich an irgendwelche Regeln. Wir kamen über eine 4-spurige Autobahn in das Zentrum, 2 Spuren rein, 2 Spuren raus, so sollte es sein. Uns kamen jedoch viele Fahrzeuge auf der Einbahnstrasse entgegen, um die Seiten zu wechseln. Als ich bei einer roten Ampel stehen blieb, wurde ich von den anderen Fahrzeugen angehupt, bzw. überholt. Ein irrer Verkehr, mit vielen alten amerikanischen Fahrzeugen aus den 60-ziger und 70-iger Jahren, die schon auseinanderzufallen schienen. Doch sie liefen und  nur ab und zu hörte man eine knallende Fehlzündung. Ausnahmsweise leitete uns das GPS mal richtig und wir erreichten noch vor Dunkelheit das Krankenhaus „Hogar Clinical San Rafael“ Als der Sicherheitsdienst uns sah, öffnete er sofort die Tore und bat uns herein. Wir wurden schon erwartet und ein Stellplatz war reserviert. Der Generaldirektor des Hauses Prior Hermano Andres und Hermano Cesar sind die letzten verbliebenen der Hermanos de San Juan de Dios. Wir kennen sie als Barmherzige Brüder. Herzlich wurden wir begrüßt und weil es doch so heiß war, es hatte 51° C im Schatten an diesem Tag,  meinte Hermano Andres sei für uns ein Zimmer  mit Klimaanlage vorbereitet. Wir nahmen das Angebot unter diesen Umständen sehr gerne an. Wir wurden dann die nächsten Tage voll verpflegt und durften alle Einrichtungen der Hermanos benutzen. Wir saßen jeden Tag mit ihnen am Tisch und speisten mit den beiden. Dabei erfuhren wir viel über Land und Leute in Venezuela. Am nächsten Tag zeigten sie uns das Haus und Friddy der Psychologe des Hauses war für unser Wohl verantwortlich. Er begleitete uns zur nahegelegenen Kunstakademie „Bellas Artes“ wo wir auch gleich einen Maltermin bekamen. Unser Projekt wurde da nicht nur von der Direktorin der Kunstakademie begeistert aufgenommen. Am Nachmittag nahm sich Hermano Andres  Zeit für uns und wir fuhren gemeinsam mit einem uralten Taxi in die Innenstadt von Maracaibo. 7 Personen passen in diese alten Kisten, dass die billigste und schnellste Variante der Beförderung in Maracaibo ist. Sehr interessant für uns, geblinkt wird mit der Hand und Aircondition wir mit einem Stück Pappe erzeugt, das halb aus dem Fenster gehalten wird. Natürlich vom Fahrer, der nebenbei noch die Schaltung bedient, Geld wechselt und an seinem Handy noch eine SMS absetzt. Dabei kann er sich noch mit den Passagieren unterhalten. Eine unglaubliche Vielfältigkeit legen diese „Helldriver“ an den Tag, den sie rasen auch noch mit 80 – 100 km/h durch die Stadt. Wir fanden es das sehr aufregend. Dann liefen wir das Zentrum auf und ab und am Schluss meinte Hermano Andres nur, dass wir jetzt das gefährlichste Viertel der Stadt kennengelernt hätten. Dann spendierte er uns ein Eis, das „Sepillado“ genannt wird, nicht zu vergleichen mit unserer Eiscreme und fuhren  danach auf gleiche Weise wieder zurück in den sicheren Bau. Am nächsten Tag kamen früh morgens die Künstler ins Krankenhaus. Wir durften im Innenhof mit ihnen malen. Sie hatten eine aktuelle Tageszeitung dabei, wo ein halbseitiger Bericht über unser Projekt erschien, ohne unser Zutun. Dann begannen sie beherzt zu malen und Musik zu machen, was nicht nur den wartenden Patienten  gefiel, sondern auch den Hermanos. Für den Nachmittag hatten die Künstler noch weitere Termine mit der Presse für uns organisiert, so dass wir  an diesem Tag voll ausgebucht waren.

Die Pannen nehmen kein Ende

Wir wollten dann gleich früh morgens weiter fahren nach Merida. Da hatte uns Hermano Andres schon in dem dortigen Krankenhaus der Hermanos  de San Juan de Dios angekündigt. Zuvor kochten wir aber für die Hermanos noch ein Gulasch, das sie sich gewünscht hatten. Ich musste Nelly, der Küchenchefin nur Anweisungen geben und sie bereiteten es dann entsprechend zu. Es hat „gemundet“! Am nächsten Morgen gegen 6.00 Uhr verabschiedeten wir uns und fuhren los. Nach ca. 2 km Fahrt krachte plötzlich unser Getriebe, Autos hupten uns an, dass wir Öl verlieren und wir ahnten nichts Gutes. Sofort hielt ich an und schaute, was passiert war. Die Getriebeölwanne hinten hatte drei Löcher, Schrauben lagen auf der Strasse und Öl tropfte auf den Boden. Wir kamen direkt vor der Nissanwerkstatt mitten in Maracaibo zum stehen. Das Personal und die Mechaniker kamen sofort heraus und begutachteten unser Fahrzeug, konnten aber nichts machen, meinten sie. Dennoch halfen sie uns weiter, indem sie uns bis zur Toyotawerkstatt begleiteten, die nur eine Parallelstrasse auf gleicher Höhe lag.

Preise, die uns in Staunen versetzten.

Hier wurde uns wieder geholfen. Die Mechaniker nahmen sich gleich unseres Schadens an und zerlegten das Getriebe mitten auf der Strasse, den unser „Balu“ passte nicht in die Werkstatt. Dann kam der Chef und meinte es sei alles nicht so wild. Die Schrauben die das Getriebe zusammen hielten waren locker und lösten sich. Sie wurden dann wie eine Gewehrkugel rausgeschleudert und deshalb die Löcher. Er könne das aber heute noch hinkriegen. Sie schraubten und machten. Dann als alles wieder zusammengesetzt war, fuhren wir zu einer anderen Werkstatt, die uns die Löcher zu schweißten. Am Schluss noch ein wenig Getriebeöl und es war alles wieder in Ordnung. Wir waren dann auf unsere Rechnung gespannt. Es kostete sage und schreibe 45,– US$ inklusive Öl. Erleichtert kehrten wir nochmals zu den Hermanos zurück. Tags darauf dann starteten wir wieder ganz früh, denn wir hörten, dass die 8 km lange Brücke, die wir zu passieren hatten, gesperrt werden sollte. Alles ging gut und wir waren auf dem Weg nach Merida. Nach der Brücke legten wir noch einen erwähnenswerten Tankstopp ein. 202 l zeigte die Tankuhr, was uns 10 Bolivar kostete. Da wir 1:40 getauscht hatten, entsprach dies genau 20 €-Cent –  für den ganzen Dieseltank, versteht sich.

 

Die ersten Andenpässe.

Die etwa 10-stündige Fahrt nach Merida war sehr interessant für uns. Wir überquerten einen Pass in 4055 m Höhe und kamen durch viele kleine Ortschaften, wo uns die Menschen freundlich zuwinkten. Man konnte erkennen, dass das Land einmal sehr reich war, doch jetzt ein Stillstand herrscht. Wir trafen auf halbfertige Strassen und auf hochmoderne aber leere Autohäuser. In den Supermärkten bleiben viele Regale leer. Wie man uns sagte reagieren die Menschen eher lethargisch auf die momentane Situation und lachen darüber, weil die Situation sonst eher zum Weinen ist . Ausländische Firmen wurden alle ausgewiesen und es gibt keine Autos oder Ersatzteile zu kaufen. Auch fehlt es an Mehl und Toilettenpapier und noch an vielen. Die Sicherheitslage ist schlecht. Die Polizei wird schlecht bezahlt und ist z.B. in Maracaibo kaum präsent. Wenn man die Zeitung aufschlägt, liest man von Entführungen und Morden.

 

In der Psychiatrie in Merida.

Deshalb waren wir froh als wir in der psychiatrischen Klinik in Merida ankamenAuch hier hat uns der Generaldirektor Frater Carlos herzlich aufgenommen. Wir durften auch hier auf dem Gelände stehen und wurden im Trakt der Volontäre untergebracht. Wir konnten hier mit Patienten und mit Künstlern die von außerhalb kamen malen. Wir fühlten uns fast wie in einem „All-inklusiv-Hotel“. Vier Tage waren wir da. Die jungen Volontäre und Praktikanten haben uns die Stadt gezeigt und waren uns bei der Suche nach Künstlern behilflich. Zufrieden mit dem Erlebten und den venezolanischen Künstlern brachen wir am 1. Oktober wieder nach Kolumbien auf. Wir kamen an diesem Tag bis San Cristobal, wo wir eine Nacht im Hotel verbrachten. Als wir noch einmal  billig unseren Tank füllen wollten, wurden wir von einem neuen Gesetz überrascht. Jedes Fahrzeug braucht im Grenzstaat Tachira einen Strichcode zum Tanken. Dieser kostet zwar nichts aber Ausländer bekommen nur 45 l am Tag. Damit will man dem Schmuggel Einhalt gebieten. Ist ja keine schlechte Sache aber warum gerade jetzt fragten wir uns und fuhren zur Grenze nach Kolumbien.

K O L U M B I E N

Der Übergang war total einfach. Niemand hat uns kontrolliert, weder auf der einen noch auf der anderen Seite. Trotzdem war der Übergang mitten in der Stadt chaotisch, da der Verkehr regelrecht zusammenbrach und wir Stunden im Stau steckten. Wir kamen an diesem Tag nur bis Pamplona. Wir durften hier gegenüber der Krankenhauseinfahrt stehen. Absolut sicher meinte der Arzt der vom Krankenhaus heraus kam. Dann machte er Fotos vom Auto und unterhielt sich mit uns. Plötzlich meinte er, es sei an der Zeit zurück ins Krankenhaus zu gehen. Er überwachte gerade eine Geburt und hatte es deshalb sehr eilig. Der Wächter des Krankenhauses wollte dann Übernacht ein Auge auf uns werfen und es ging gut.

Im Hochland von Kolumbien.

Über Bucamaranga und 3500 m hohen Bergpässe gelangten wir am nächsten Tag nach San Gill. Die Stecke war zwar gut zu befahren, doch der Schwerlastverkehr bremste uns ungemein. Wir benötigten für die ca. 240 km lange Strecke den ganzen Tag. In San Gill fanden wir in einem Balneario  (Freibad) ein ruhiges und schönes Plätzchen mitten in den Anden. Wir konnten auch die Schwimmanlagen benutzen. Das Klima hier war deutlich anders. Am Tag hatte es ca. 25°C und nachts kühlte es ab. Auch hier blieben wir nur kurz, denn in Villa de Lenya sollten wir ideale Bedingungen für einen längeren Verbleib vorfinden. Als wir am 6. Oktober da ankamen waren Lothar und Martina schon da. Wir fanden alles was wir suchten, einen sauberen und sicheren Platz hoch über dem Weltkulturerbe gelegen, angenehmes Klima, gutes WiFi und die Zeit uns zu organisieren. Wir fanden  da auch im Ort einige Künstler, die für unser Projekt malten. Hier ließ es sich aushalten und wir blieben bis zum 13. Oktober. Wir wollen dann weiter nach Bogota um dort weitere Maler zu treffen. Wir wissen aber schon, dass wir noch einmal hierher kommen werden, denn ein Künstler namens  Fernando Botero wollte für unser Projekt malen. Wir können das nicht auslassen, wenn ein Botero für unser Projekt malt.  Villa de Leyva ist ein wunderschöner Ort aber nun freuen wir uns auf Bogota und  auf unsere weiteren Erlebnisse. Wir freuen uns aber auch schon jetzt  darauf wieder nach Villa de Leyva zurück zu kehren und dass Botero für uns malen wird.

 

 

 

 

 

 

 

One Response to Mittelamerika und der Sprung nach Südamerika – ein Wechselbad der Gefühle!

  1. Theo Huhn

    Hallo nach Südamerika,

    Danke für die tollen Berichte. Wir “folgen” Euch seit einigen Monaten…

    In 3 Jahren wollen wir auf Euren Spuren folgen..

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