11.380 km – Von San Diego/Kalifornien nach Key West/Florida und zurück.

Posted by on 27. Januar 2013

Am 8. Dezember machte ich mich, nachdem ich erfuhr, dass die Leinwände wohl noch länger beim amerikanischen Zoll „parken“ werden, auf in Richtung Osten. Ich wollte auch schnell raus aus dem „Moloch“ der Megacity, wenngleich sie auch sehr schön war. Nach ca. 70 Meilen fiel mir ein Schild am Straßenrand auf und  machte mich neugierig auf ein Hot Spring Ressort. Hörte sich wirklich gut an – Hot Springs! Auf einer staubigen Straße erreichte ich das Tor. Nur eine Kamera und ein Lautsprecher empfingen mich am Eingang zu einem eingezäunten Areal. Noch dachte ich mir wenig dabei – ist halt wieder ein wenig anders hier. Als ich dann durch das Ressort Richtung „Office“ fuhr fielen mir die nackten Kerls auf, die des Weges spazierten. Schilder „Clothings optional“ erschienen mir dann doch etwas suspekt. Am „Office“ angekommen bekam ich eine „Einweisung zu den „Verhaltensregeln“. Auf die Frage, ob ich bereits ein Club-Mitglied bin, antwortete ich mit „ja“ – ich bin ADAC-Mitglied, was die freundliche Dame am Empfang zu einem süffisantem lächeln veranlasste. Also, ich hab´s dann doch ganz schnell „geschnallt“ – ich war im größten Nudistenclub Amerikas „gelandet“. Am Ende war es dann schließlich doch sehr unspektakulär. Habe die Hot Spring – SPA besucht und bin abends noch an die Bar. Da standen Nackte, Halbnackte und Angezogene – eben „optional“, jedoch nichts, was mich hätte in Staunen versetzen können. Als die „Amis“ dann begannen Bingo zu spielen und Karakoe zu singen, verzog ich mich ganz schnell. Ob ich es empfehlen kann? Gekostet hat es nicht viel und die Pools und anderen Einrichtungen waren in Ordnung. Am nächsten Tag war ich dann auch schon in Casa Grande. Diese Stadt mitten in der Wüste von Arizona, erreichte ich nach einer  ca. 5-stündigen Fahrt. Hier besichtigte ich die Casa Ruins, ein Bauwerk bzw. eine Siedlung der Indianer aus dem 14. Jahrhundert. Ganz interessant anzusehen. Das war es dann aber auch schon mit Casa Grande und ich fuhr weiter nach Tucson. Ich kam ziemlich spät an, dennoch fuhr ich noch in den „Saguaro Nationalpark“. Ein kleiner, aber meines Erachtens „feiner“ Nationalpark mit den größten Kakteen der Welt. Außerdem durfte ich noch einen grandiosen Sonnenuntergang im Park erleben, bevor ich mich auf einen Walmart-Parkplatz in Tucson begab. Hier fand ich einen ruhigen Platz, was bei Walmart nicht immer zu erwarten ist und ein gutes WiFi-Signal eines Frisörladens. Als ich da stand, hielt ein Landrover neben mir und der Fahrer begann sich mit mir zu unterhalten – auf Deutsch, was hierzulande schon eher die Ausnahme ist. Er kam gerade von einer Weihnachtsfeier und sah mich stehen. „Balu“ begeisterte ihn und wir unterhielten uns eine Zeit lang. Bevor er dann weiter nach Hause fuhr, schenkte er mir einen Teller mit Weihnachtsplätzchen, die er eigentlich seiner Frau von der Weihnachtsfeier mitbringen wollte. Er nahm zwei Stück und gab mir den ganzen restlichen Teller. Fand ich toll, diese Geste. Muss aber gleich an dieser Stelle betonen, dass uns diese Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft hier in USA und Kanada so oft widerfahren ist, was meine Meinung über die Amerikaner  wieder in ein ganz anderes Licht gerückt hat. Das Pima Air & Space Museum  stand am nächsten Tag auf meinem Programm. Tausende von Flugzeugen stehen hier  „konserviert“ für ….??? – hoffentlich die Ewigkeit, in der Wüste. Die Trockenheit und die Bodenbeschaffenheit sind Grund dafür, sie hier in der Wüste abzustellen.. Sowohl zivile als auch militärische Flugzeuge sind hier zu sehen. Im Museum mehr Flugzeuge, die nicht mehr zum Einsatz gelangen – auf dem in der Nähe gelegenen militärischen Gelände, dass man mit dem Bus erreicht, stehen die Bomber und Jets der jüngeren Vergangenheit – aus der Zeit des „Kalten Krieges“ und warten auf ihre weitere Verwendung. Wer sich für Fluggeräte interessiert, sollte das Museum unbedingt besuchen. Für mich persönlich war der Hangar mit den alten Maschinen interessant, welche die Bombeneinsätze über das Nazideutschland geflogen sind. Hier sind die Bomber ausgestellt und die dazugehörigen Logbücher der Einsätze. Darin konnte ich lesen, dass am 21. Juli 1943 auch meine Heimatstadt Regensburg beim 155. Einsatzflug bombardiert wurde. Ziel war das Gelände der Messerschmidt Werke in Prüfening.  Oft hat mir meine Mutter von diesem Ereignis erzählt – hier konnte ich schwarz auf weiß nachlesen, wer, wann diesen Einsatz flog. Habe mich darüber noch länger mit dem Personal vor Ort unterhalten und fand das irre spannend. Der Tag und der Besuch hatten sich für mich gelohnt, der Eintritt betrug 19,- US$ – bin ja schließlich ADAC-Mitglied ;-) )

Ich fuhr dann noch ca. 120 km weiter nach Tombstone. Jeder der gerne Westernfilme schaut, weiß sofort wovon ich rede. Der Ort lebt heute noch von dem Ereignis – einer Schießerei mit 3 Toten und drei Verletzten.  Wyatt Earb und Doc Holliday und noch viele andere zwielichtige Gestalten lebten hier. Noch heute laufen in der wieder restaurierten Stadt die Leute in der alten „Tracht“ rum. Cowboys, Saloongirls und Kaufleute. Postkutschen fahren die Straße auf und ab und die Schießerei von „damals“ wird 4x täglich nachgespielt. Als ich allerdings am Abend in den Saloon gehen wollte, der mir „wärmstens“ empfohlen wurde ( Cowboys & Typen usw. – O-Ton des Campground-Hosts), wurde er gerade geschlossen – es war  allerdings erst 19.00 Uhr abends. Den Friedhof vor den Toren der Stadt fand ich wiederum ganz interessant und amüsant. Die Kreuze mit den Aufschriften „Unknown“, „Killed“, „Murdered“  oder „Lynched“ aus versehen, fand ich ganz lustig – ob es wirklich so war??

Wollte dann  aber bald wieder weiter nach Bisbee, einer alten Minenstadt. Schön und farbenfreudig bot sich mir das Bild des alten Bisbee. Wenn man dann ein Stück weiter fährt, kommt man an das große Loch, ein riesig und kraterähnlich. Hier wurden bis in die jüngste Vergangenheit Mineralien abgebaut. Über 300 verschiedene Mineralien wurden hier entdeckt. Kupfer- und Kohleabbau prägten aber über Jahre Stadt und Stadtbild.Nach kurzem Aufenthalt fuhr ich dann weiter, zunächst zum „Chiricahua National Forrest“ und nach einer frostigen Nacht dort,  zum „Chiricahua

National Monument“. Ausgerechnet am morgen nach einer eiskalten Nacht war die Gasflasche leer und bibbernd musste ich die Flasche wechseln.Mehrmals wurde ich hier von der „Border Patrol“ (Grenzschutz) angehalten –  meist aber nur um zu plauschen. Im Nationalpark, der

nicht sonderlich groß aber wunderschön ist, machte ich einige Wanderungen in die Schluchten mit bizarren Felsformationen und natürlich zum höchsten Punkt des Parks. Die folgende Nacht verbrachte ich dann in Las Cruces und schon verlies ich  den Staat New Mexico wieder in Richtung Texas. Nach einer langen Fahrt von 538 km auf der Hwy. 10 erreichte ich bei Dunkelheit Study Butte, einer kleinen Siedlung am Tor zum „Big Bend Nationalpark“. Nachdem ich zunächst orientierungslos umher irrte, fand ich dann doch noch einen geeigneten Stellplatz, sogar mit High Speed Internet – Hotspot. Duschen inklusive! Tags darauf wollte ich den Park erkunden, doch seltsame Geräusche am Fahrzeug bei der Fahrt in den Park ließen mich aufhorchen. Zunächst dachte ich, es sei das Diesel, dann meinte ich, es könnte am Luftfilter liegen und danach hatte ich den Dieselfilter im Visier. Alles wurde gesäubert bzw. gewechselt, nichts half. Der Chef der einzigen Werkstatt hier weit und breit meinte, es sei ein Reifen, der nicht richtig läuft – es ist aber Freitag Nachmittag des 14.12.12 – Wochenende – ich möchte doch am Montag morgen wieder kommen, meinte er. So fuhr ich in den Park bis zum „Chisos Basin“ Campground, der mich sehr an den Dalton Highway in Alaska erinnerte, obwohl mich doch jetzt am anderen Ende der Staaten befinde. Mein  „tierisches“ Highlight des Tages: Eine Riesenspinne „Tarantula“ überquerte die Straße und ich habe sie  wirklich auf einem Foto festhalten können. Ist wohl auch eher ein Zufall, denn die „Ranger“ waren auch ganz überrascht, als ich ihnen das erzählte.Am Samstag machte ich mich dann auf zu den Hot Springs nahe Rio Grande Village. Man findet sie direkt neben der Hauptstraße und nur wenige Meter zu laufen.  Direkt neben dem Rio Grande, der mir sogar

nicht „Grande“ erschien kam die heiße Quelle aus der Erde – direkt in ein  gemauertes Basin.  Wie so oft, trifft man an den abgelegensten Stellen der Welt „Deutsche“ und noch aus Bayern bzw. Hauzenstein bei Passau dazu. Ein Plausch im heißen Pool und dann natürlich rein in den Rio Grande. Ca. 10 m trennen mich von Mexiko. Es war verlockend kurz mal rüber zu laufen über den Rio Grande – aber der Preis wäre u.U. viel zu hoch, sollte man dabei erwischt werden. So entschloss ich mich, noch etwas zu warten und dann legal nach Mexiko ein zu reisen. Leider war es den ganzen Tag zu dunstig und ich konnte keine wirklich guten Bilder schießen. Beim Skypen mit der Heimat erfuhr ich dann, dass es sehr kalt ist in Deutschland und „Blitzeis“ die Straßen unsicher machte – konnte ich mir jetzt bei ca. 27°+ so gar nicht vorstellen.

Ich entschloss mich dann weiter zum Santa Elena Canyon, wo sich der Rio Grande durch die Felsen „gegraben“ hat. Übernachtet habe ich im „Cottonwood Campground“ , ca. 5 km davor. Es war wenig los hier. Einige andere Camper hatten mir für den nächsten morgen Javelinos (Nabelschweine) versprochen, die da morgens angeblich hordenweise durch den Campingplatz laufen. Sie sind dann tatsächlich auch gekommen. Beim Frühstücken konnte ich sie direkt vom Auto aus beobachten und fotografieren.

Danach machte ich mich auf zum Rio Grande Valley. Den gewaltigen Einschnitt in den Fels kann man schon von weiten sehen. Kaum zu glauben, dass dieses „Rinnsal“ doch  viel gewaltiger sein kann. Die steil aufragenden, zum Teil überhängenden Felsen wirken richtig imposant. Auf der amerikanischen Seite kann man ca. einen Kilometer entlang des Ufers wandern, bis dann der Fluss und die steil aufragenden Felsen es unmöglich machen weiter zu kommen. Die „dritte Grenze“, auf der einen Seite Mexiko, auf der anderen Seite die USA und nun auch noch die natürliche.Das Wetter ist wieder besser geworden und ich konnte mich wieder mal von der Wüste nicht losreißen. Es gab noch eine Oase, die man nur zu Fuß

erreichen konnte und ich wollte auch diese noch sehen.  Die folgende etwas schweißtreibende Wanderung war es allerdings Wert. Kaum tritt irgendwo in der Wüste Wasser zutage, ist überall vielfältiges Leben anzutreffen. So schön er auch wieder ist, dieser Nationalpark, ich musste weiterziehen gegen Osten. Das Problem mit dem Auto hat sich zwar etwas verbessert, ist jedoch latent vorhanden, was mich weiter beunruhigt, da ich das Problem nicht genau lokalisieren kann. Dennoch fuhr ich Richtung San Antonio weiter, denn wenn man mir helfen kann, dann nur da. Eine Nacht in Marathon und dann 371 Meilen bis San Antonio, das waren die nächsten Tage. Es war schon wieder dunkel, als ich dort eintraf, der Verkehr jedoch floss in Massen, dass ich schnellst möglich einen Walmart ansteuerte. Endlich erreichte ich auch meinen Freund Andi, der Kfz-Meister in Deutschland ist und „Balu“ bestens kennt. Ich schilderte ihm meine Fahrzeugprobleme. Was er mir allerdings dazu sagte, klang in meinen Ohren nicht gerade wie Musik. Von nun an wusste ich, was Kadernwelle auf Englisch heißt. Mit meinem Wissen machte ich mich gleich am nächsten morgen zu Toyota Universal auf. Wie immer gab es zunächst einen großen Auflauf der Toyota Verkäufer und sämtlicher Mechaniker. Nach ca. 5 Std. Wartezeit kam dann Terry, mein Sachbearbeiter und Betreuer sowie der zuständige  Mechaniker wieder auf mich zu – „The dive shaft is bended“ (die Kadernwelle ist verbogen), sagten sie mir und ich soll tags darauf wieder kommen, dann können sie mir mehr über die Ersatzteilbeschaffung. Also -  eine weitere Nacht am Walmart in San Antonio. Um etwas Abwechslung zu haben, suchte ich einen anderen Walmart auf – der war dann aber auch wesentlich ruhiger. Wie vereinbart stand ich tags darauf wieder vor Terry´s Büro und er erklärte mir, dass die Beschaffung einer neuen Kadernwelle ca. 1 Monat dauern würde. Er erzählte mir noch zu meiner Beruhigung, dass bei ihnen ein Mercedes am Hof steht, da warten sie schon über 3 Monate auf die benötigten Ersatzteile. Dies wirkte  wirklich „sehr beruhigend“ auf mich. Außerdem muss ich noch nachweisen, dass mein Fahrzeug legal in den Staaten ist. Dann zuckte er weiter nur mit den Schultern. Dennoch hatte er noch einen Papierausdruck in der Hand mit einer Adresse in San Antonio. Dort meinte er soll ich doch auch mal nachfragen, da sind sie auf Kadernwellen spezialisiert. Schnell fuhr ich dort hin, es waren ja nur 13 Meilen durch die Stadt. „Janine“, wie ich mein GPS nenne führte mich auch sicher hin. Der Mann am Schalter hieß „Craig“.  Er legte sich unter „Balu“ und schaute sich die Sache an, nahm Maß, verschwand in seinem Büro und als er 5 Min. später wieder heraus kam meinte er, es sei jetzt Zeit zum „Lunch“ ich möchte doch in 1 ½ Stunden wieder kommen, bis dahin hat er alles ausgebaut und weiß, was es kosten wird. Oh, dachte ich, jetzt geht das wieder los. Als ich dann wieder kam, stand „Balu“ schon in der Garage. Craig kam zu mir und zeigte mir einen Zettel, worauf stand, was er benötige und was es schlimmstenfalls kostet. 590,–US$! Wenn ich einverstanden wäre, würde er gleich loslegen und ich könne in 3 ½  Stunden wieder kommen, da wäre er fertig, es wäre dann schließlich Feierabend. Ich konnte es kaum glauben, aber als ich wieder kam war das Fahrzeug fertig und es kostete am Ende noch weniger als er mir aufzeichnete. Happy und heilfroh fuhr ich dann gleich los – natürlich! – zum nächsten Walmart. Durch den günstigen Tagesumrechnungskurs hatte ich  auch noch etwas Glück im Unglück.Inzwischen war es schon Donnerstag (20.12.12) und ich fuhr an diesem Tag ca. 570 km  auf der Hwy. 10 bis  Sulphur in der Nähe von

Calcusieu/Mississippi.Kaum angekommen, klopfte es an meiner Tür und Dean und Cynthia standen vor meiner Tür, mit 2 Flaschen Bier und einem Kranz Wurst, einer lokalen Spezialität, wie sie mir versicherten. Dean war lange Zeit Major bei der US-Army in Germany und somit gab es viel zu erzählen. Es war ein interessanter Abend und als er dann zu seinem „Trailer“ ging, war es schon spät – ich aber hungrig. Also musste die Wurst noch am selben Abend dran „glauben“.Am nächsten Tag lag schon wieder eine längere Strecke vor mir. Ich wollte bis New Orleans fahren und in der Nähe des „French Quarters“ stehen. Mir erschien die Gegend zunächst sehr unsicher und ich fuhr in den mit Mauern und Stacheldraht umgebenen RV-Park. Schnell entpuppte sich dieser Stellplatz  auch als der teuerste, während der bisherigen Tour. Ja, meinte die freundliche Dame vom Office – „It´s Superbowl-Weekend!“Ich war der einzige am Gelände, den das Ganze nicht interessierte. Der Platz stand voll mit luxuriösen RV´s – keiner unter 29 Feet und alles Ultras der Gastgebermannschaft. Vom Taschentuch, den Gartenmöbeln, bis zum Bettzeug – alles rot und mit den Zeichen der „New Orleans Siants“. Die gewannen dann auch das Spiel mit 40:34 – hab aber keine Ahnung, was das letztendlich bedeutete. Den Samstag verbrachte ich mit einer Busbesichtigungstour durch die Stadt. Am Abend dann ging ich nochmals auf die „Piste“. Die „Bourbonstreet“ war rot – überall nur Fans, der Siants. Ich hatte ja schon viel gesehen, Soho in London, Broadway in New York oder auch die Vergnügungsviertel in Barcelona und in Vancouver und in noch vielen anderen Städten der Welt, aber das „toppte“ das bisher erlebte. Die Kneipen und Bars waren brechend voll und die Fans ließen ihrem Spaß ungezügelten, freien Lauf. Die gespielte „Livemusik“ und die „Schnapsgirls“, die in Reagenzgläsern für 3,-US$ „Hochprozentigen“ anboten sorgten dafür, dass diese zur „Hochform“ aufliefen und ich aus dem Staunen über die gezeigte „Abartigkeit“ nicht mehr raus kam. Schnell wollte ich dann am Sonntag gleich wieder weiter fahren. Ich hatte schon alles verpackt und füllte gerade noch Wasser in meinen Tank, als ich plötzlich „Hallo Michael“- Rufe hörte. Bärbel und Marion die mit ihrem Knausmobil auch durch die Staaten „tuckern“ und die wir schon in Monument Valley trafen, sind gerade  hier angekommen. So verlängerte ich noch um einen Tag, konnte auf dem gleichen Platz stehen, wie die Mädels, denn unsere beiden Fahrzeuge waren nicht annähernd so lang wie die der „Amis“ hier, außerdem war der „Manager“ des Campgrounds in „Weekend“. Wir zogen dann nochmals durch die Stadt. Bei der Gelegenheit probierte ich auch einen „Gator Burger“. Also Alligator! Schmeckt nicht schlecht. Es folgte dann am Abend noch mal ein Kneipenbummel. Diesmal mit weniger Leuten auf der Straße und wieder mit guter Livemusik. An „Hl. Abend“ dann wollte ich an einem schönen ruhigen Platz am weißen Sandstrand sein. Ich landete in Fort Pickens bei Pensacola. Wirklich schneeweißer Sandstrand und türkisfarbenes Meer empfingen mich. Als ich dann im Nationalpark auf der Halbinsel ankam, machte mich die Rangerin an der Anmeldung gleich darauf aufmerksam, dass Tornadowarnung für den folgenden Tag ausgegeben wurde. Ich könne es selbst entscheiden hier zu bleiben oder weiter zu fahren, es kann allerdings sein, dass  man die Halbinsel nach dem Sturm für einige Tage nicht mehr verlassen kann, da auch eine damit verbundene hohe Flutwelle erwartet wird und die Zugangsstrasse überflutet wird. Da es schon dunkel wurde, blieb ich über Nacht und startete schon früh morgens gegen 7.00 Uhr Richtung Osten, da sollte es vermutlich „sicherer“ sein. Meine Entscheidung war die Richtige. Ich stoppte in Grayton State Park in einem windgeschütztem Stellplatz. Tatsächlich wütete weiter im Westen ein heftiger, für die Jahreszeit ungewöhnlicher und unüblicher Tornado, der große Schäden in der Stadt Mobile anrichtete. Ich vernahm das Ganze als heftigen Gewittersturm. Inzwischen war schon der 2. Weihnachtsfeiertag, der Sturm ebbte ab und es wurde auch deutlich kühler, die Schwüle und die Mosquitos  waren regelrecht wie weggeblasen. Deshalb machte ich mich auf den Weg, weiter Richtung Süden. Hier lockte ein weiterer State Park auf der Peninsula St. Joseph. Ein wunderschöner weißer Sandstrand, der sich meilenweit erstreckt und fast menschenleer war. Die Kälte aber schreckte mich, länger hier zu verweilen. Schließlich war ich in Florida und nicht in Inuvik und ich wollte endlich Wärme spüren. Wieder fuhr ich ca. 500 km weiter südlich und endlich spürte ich sie, die Wärme, allerdings dachten so auch tausende einheimischer Urlauber. Ich wollte die Feiertage über Neujahr in Sanibel und Captiva ruhig auf mich zukommen lassen. Die Inseln sind wunderschön, das wusste schon um 1800 der Pirat und Freibeuter José Gaspar, der auf Captiva seinen Harem versteckte. Heute ähnelt es eher dem Gardasee. Schöne Umgebung, besseres Klima und Massen von Besuchern, die zur Hochsaison überteuerte Preise bezahlen müssen. Drei Tage verbrachte ich hier dann doch – es war ja Silvester. Den ersten Tag vor dem Campground, am 2. und 3.Tag teilte ich mir einen Platz im Campground, denn der war etwas ruhiger, mit einer Schweizer Familie. Das Internet funktionierte aber trotzdem nicht und der Versuch über den Preis zu verhandeln scheiterte kläglich. So verbrachte ich die Tage mit Muscheln sammeln – hier werden die größten und schönsten, angeblich weltweit angespült, angeln mit lebenden Schrimps und in der Sonne sitzend, bei einem Kaffee. Silvester war unspektakulär, ohne Feuerwerk – da verboten, trank ich mit meinen Schweizer Nachbarn ein Glas Sekt und verschwand um 11.30 Uhr in der Koje. Tags darauf wollte ich es dann wissen und versuchte wieder mein Glück beim Angeln. Nach ca. 2 Std. waren 12 Schrimps und 2 Haken weg. Fische habe ich zwar gesehen, denn mein Angelnachbar hat einen nach dem anderen an Land gezogen, so dass ich beleidigt weiter fuhr. Ich kam bis Homestead, wo ich am Walmart nächtigen wollte. Das erste Mal auf der ganzen Reise, wo nachts gegen halb ein Uhr jemand an die Türe klopfte. Der Mann von der Security bat mich höflich das Gelände zu verlassen. Da half gar nichts, kein Bitten und Betteln, aber wohin? Er machte ja nur seinen Job, der ihm bestimmt viel Wert war. Ich sah einen Sheriffwagen stehen und fragte den Officer, wohin ich den um diese Zeit noch fahren könnte? Er schickte mich nur 300 m weiter zum Parkplatz des Home Depot – eine Baumarktkette. Dieser war schon geschlossen, andere Wohnmobile standen auch schon da und es war absolut ruhig. Außerdem hatte ich kostenloses WiFi zur Verfügung. Am nächsten Morgen war der ganze „trouble“ vergessen und ich steuerte in die Everglades. Auf über hunderten von Kilometern auf der  Hwy. 41 von West nach Ost lagen sie in den Gewässern entlang der Straße – die Alligatoren. Schnell gewöhnt man sich an diesen Anblick. Die Landschaft, mit Ihren zahlreichen Vögeln faszinierte mich. In Flamingo, wo kaum noch Flamingos zu sehen sind, blieb ich dann auf dem Campground des Nationalparks – inzwischen der 28. Nationalpark in den Staaten. Ruhig, schön am Wasser gelegen war mein Platz. Ich konnte angeln und den Eulen beim Jagen zusehen – einfach traumhaft, diese Idylle. Diese wurde jedoch nach Einbruch der Dunkelheit jäh zerstört. Massenweise überfielen mich kleine bis kleinste Stechfliegen, die mit bloßem Auge kaum auszumachen waren. Nach einer qualvollen und nahezu schlaflosen Nacht glich mein Körper dem eines Perlhuhns. Ich verzichtete trotz der Schönheit der Natur auf eine weitere Nacht und fuhr auf die Keys nach Key West. Schwüle 32 Grad empfingen mich hier. Insel um Insel, die alle mit großzügigen Brücken verbunden sind drang ich bis Key West vor und war pünktlich zum Sonnenuntergang da. In einer Parallelstraße zur Duval Street, die dem „Ballermann“ auf Mallorca gleicht, fand ich einen ruhigen und relativ „günstigen“ Parkplatz und nachdem ich dem Parkwächter noch einige Dollars extra zukommen ließ,  drückte er auch ein Auge zu, denn im Wagen auch noch zu schlafen war eigentlich verboten. So konnte ich das Zentrum zu Fuß erkunden. Gleich in der ersten Galerie fiel mir ein Maler auf, der wunderschöne Aquarelle malte, zwischendurch wieder Kunden durch sein Atelier führte und auch seine Bilder verkaufte. Ich fragte ihn, ob er den auch für ein Projekt malen würde, dass am Ende sozialen Zwecken zugute kommt. Als ich ihm dann von PanAmericanArte erzählte, war er so begeistert, dass er gleich für den nächsten Tag mit mir einen Termin ausmachte. Wir malten dann am Strand von Key West und ich verstand mich mit Alberto (Künstlername Malik al Maliki) einem echten Florentiner auch blendend. Nun war es auch wieder an der Zeit zu angeln. Meine Angellizenz, die ich erworben aber noch kaum genutzt hatte, lief schon wieder ab. So stellte ich es mir vor, am Strand zu stehen, Wärme, Sonnenschein und Fische, die gerne anbeißen. So war es dann auch, die Fische allerdings so schön bunt, eher fürs Aquarium als für den Brattopf. Geschmeckt haben sie allerdings wirklich sehr lecker. Nun war es aber auch schon wieder an der Zeit Richtung Miami aufzubrechen und Mariana am Flughafen abzuholen. Dies funktionierte ziemlich problemlos, zwar mit einer Stunde Verspätung, aber was ist das schon auf einer so langen Reise. Gleich machten wir uns auf nach Stuart, dort  wollte ich am Campground gleich die Teile einbauen, die mir Mariana mitgebracht hat. Einen Insektenvorhang von Berger in Neumarkt, den ich im Internet erworben hatte, warf ich sofort wieder in den Müll, da dieser schon beim Anfassen auseinander fiel – die Reklamation hinterher verlief so unprofessionell und unbefriedigend, dass sie hier Erwähnung findet. Mein neuer Freund Dean, der US-Amerikaner, den ich auf unserer Tour kennenlernte, hatte mir auch eine Werkstatt empfohlen, wo ich „Balu“  dann durchchecken lies. Ebenso waren neue Bremsbeläge und ein Ölwechsel fällig.  George der Besitzer machte seine Sache gut  und zu einem fairen Preis, dennoch konnte er mir bezüglich der Fahrgeräusche nicht weiter helfen. Immer noch hörte ich ab 110 km/h laute Fahrgeräusche, die entweder von der Kadernwelle oder den Reifen her rührten. Auch wollten wir das Fahrzeug gründlich reinigen und neu beladen. Der starke Regen und die Schwüle machten uns dabei schwer zu schaffen. Letztendlich haben wir es dann doch geschafft und wir starteten wieder gegen Westen.Auf St. Joseph Peninsula machten wir nochmals zwei Tage halt, der Strand da war einfach zu schön um daran  nur vorbei zu fahren. Lange Strandspaziergänge, Sonne und Meer entschädigten uns für die vorangegangenen strapatzen! In  Mississippi und Louisiana durchquerten wir großflächige Hochwassergebiete, die zum Teil die Highway erreichten, ja gar überschwemmten. Für uns fing die Zeit jedoch langsam an zu „drängen“, so dass wir die folgenden Tage viel Zeit auf der Highway und nachts auf Walmart-Parkplätzen verbrachten. Sehr hilfreich war uns dabei ein App. ONP Walmart, wo wir immer nachsehen konnten, welche Märkte „Overnight Parking“ tolerieren. In San Antonio ließen wir nochmals unsere Reifen prüfen, da immer noch laute Fahrgeräusche zu hören waren. Und schließlich suchten wir auch nochmals die  „Drive Shaft-Spezialisten“ auf, die unsere Kadernwelle erneuerten. Wir hatten schon die größten Befürchtungen aber die Jungs dort besserten nach – ohne Berechnung – und „Balu“ läuft wieder ruhig.In New Mexico machten wir halt beim National Monument „White Sands“, einer Dünenlandschaft bestehend aus feinstem Gipssand -  schneeweiß. Es sah aus als liefen wir in einer Schneelandschaft, das aber bei +28° C. Der Park ist nicht all zu groß und nach einer ausgedehnten Dünenwanderung ging es schon wieder weiter. Die „Misslerange“  in der Nähe war dann schon geschlossen als wir sie  um 16.00 Uhr passierten. In Tucson noch mal am Pime Air & Space Museum vorbei, zog es uns aber noch mal in den „Saguaro Nationalpark. Die riesigen Kakteen, die übrigens erst im Alter von 70 Jahren beginnen „Arme“  zu entwickeln, waren einfach zu schön, um sie Mariana vor zu enthalten. Unbedingt wollten wir auch in der Partnerstadt Tempe/Arizona malen. Schon vor Beginn unserer Reise besorgten wir uns über die Stadt Regensburg die Ansprechpartner in Tempe. Vielleicht etwas zu „blauäugig“ kontaktierten wir die Stellen in Tempe schon Monate vor unserer Ankunft. Wir wollten lediglich einige Künstler oder Personen benannt wissen, die in Tempe mit uns malen, sowie einen sichern Platz, wo wir in der Stadt stehen könnten. Natürlich fragten wir auch nach, ob sie uns helfen könnten, um etwas Unterstützung bei der örtlichen Presse finden zu können. Zuerst bekamen wir eine Email, es sei aus terminlichen Gründen nicht möglich. Als ich nachhakte, bekam ich eine Email, dass es ein Versehen der Sekretärin war, die etwas überlastet sei, selbstverständlich bekommen wir jegliche Unterstützung die wir bräuchten, Hotelzimmer usw. Vielleicht waren wir zu bescheiden. Wir verlegten unseren Ankunftstermin um 6 Wochen und forderten auch nicht mehr. Als dann der Zeitpunkt gekommen war und wir eine Woche vor Ankunft noch einmal eine Email über unser Kommen absetzten, kam nichts mehr – keine Antwort.  Wir versuchten es dann noch über den Freundeskreis Tempe e.V. in Regensburg einen Ansprechpartner bzw.  einen Kontakt vor Ort benannt zu bekommen. Dieser verhielt sich ähnlich unprofessionell und fand es auch nicht nötig uns zu antworten. Bei uns, nein bei mir setzte sich der Gedanke immer mehr fest, dass Partnerstädte nur eine Alibifunktion ausüben – für Kommunalpolitiker und einen elitären Kreis. Der Stadthaushalt sieht bestimmt auch Mittel dafür vor?! Wenn man als „ Normalo“  kommt findet das bei offiziellen Stellen  keinerlei Beachtung – warum auch? Der Grundgedanke von Städtepartnerschaften liegt doch im kulturellen Austausch begründet Aber was Kultur ist legt die Stadt fest und da beschränkt sich diese eben „nur“ auf  den Bieranstich zum Oktoberfest in Tempe. Schon während meiner Zeit als Verleger und Herausgeber von „Blizz“ und vorher als verantwortlicher des Wochenblattes war mir dieses „Gebaren“ schon suspekt. – So! Das musste jetzt raus! Wir haben es dann trotzdem geschafft in dem schönen Tempe an der ASU (Arizona State University) mit interessierten Studenten zu malen. Wir fuhren einfach auf den Campus und gingen in das Gebäude der Kunstfakultät. Die erste Studentin, die uns über den Weg lief war „Cin“. Ihr gefiel die Idee sofort, führte uns durch die Räumlichkeiten, stellte uns anderen Studenten vor und  sie informierte den Präsidenten der Uni, der wiederum auf Facebook alle interessierten Studenten aufrief, unser Projekt zu unterstützen. Wir vereinbarten einen Termin für Montag und verbrachten das  zwischenzeitliche Wochenende mit unseren Freunden Sepp und Gerhild im wunderschönen „Dutchmann State Park“. Auch das Wetter spielte mit und bei angenehmen Temperaturen um 25°C besuchten wir die „Ghosttown Goldfield“  und sehr „eigene“ Veranstaltungen rund um den Park. Als wir dann am Montag wieder zur Uni kamen, warteten schon vier Studentinnen, um mit uns zu malen. Es machte richtig Spaß und sie freuten sich, dass sie Teil unseres Projektes werden durften. Nach etwa 4 Stunden malen hatten wir noch einen Termin in einer Werkstatt, die auf Stoßdämpfer spezialisiert ist. Nochmals mussten wir um einen Tag in dieser Gegend verlängern. Auch diese „Jungs“ versuchten alles, um uns bei  unserem „Problem“  mit den Stoßdämpfern zu helfen – leider!Spezialteile, die wir nur über Deutschland beziehen können. Sie machten das Nötigste und wir hasteten entschlossen weiter nach San Diego, schließlich endet mein Visum am 24.01.2012 und ich muss die Staaten verlassen. Am 23.01.12 kamen wir schließlich nach fast 6000 km Fahrt von Key West zurück nach San Diego hier an, erledigten noch Einkäufe, holten die neuen Leinwände ab, die nach Wochen beim Zoll schließlich doch noch hier ankamen und begaben uns direkt zur Grenze nach Tijuana. Am Übergang war wenig los, die mexikanischen „Grenzer“ waren freundlich und wir waren schnell eingereist. (ca. ½ Std.) Die Ausreise gestaltete sich etwas schwieriger, da die Ausreisebestätigung bei den US-Grenzbeamten abgegeben werden soll (muss lt. Bestimmungen). Die Mexikaner schickten uns zum Flughafen, wo wir das Visum abgeben könnten, dort wiederum  wurden wir weiter zum nächsten  (Ausreise-) Grenzübergang geschickt. Schließlich schafften wir es doch, vor dem Übergang in die USA zu parken, schnell rüber (in die USA) zu laufen – fahren hätte Stunden Wartezeit beansprucht und dann wieder auf unüblichen Weg (eigentlich nur eine Richtung – Einbahnstrasse) zurück nach Mexiko. Der US-Grenzbeamte hat dann nur das Visum raus gerissen, uns das Einreisetor nach Mexico aufgesperrt, wo wir dann rüber laufen konnten, mehr nicht. Das ist angeblich der legale Weg, jedoch sehr umständlich. Nach dem Übergang war dann alles gleich anders. Wir waren darauf bedacht  schnell vom Grenzgebiet weg zu kommen und fuhren noch ca. 130 km Richtung Süden bis Ensenada, wo wir nun versuchen werden wieder etwas Ruhe in unseren Reisealltag zu bringen. Wir fanden ein Campground für 100 Pesos am Tag mit gutem WiFi und heißen Duschen. Hier wollen wir einige Tage warten und das „Regentief“ vorbeiziehen lassen. Wie es weiter geht gibt es im nächsten Bericht zu lesen. Über Facekook „PanAmericanArte“ gibt es die Infos zwar immer schneller, hier dafür ausführlicher.

One Response to 11.380 km – Von San Diego/Kalifornien nach Key West/Florida und zurück.

  1. Claudia Egersdörfer

    Liebe Mariana, lieber Michael,
    immer wieder lande ich auf Eurer Seite und finde Eure Reise so unglaublich beeindruckend. Ich hoffe Euch geht`s gut und freue mich auf ein Wiedersehen.
    Viele Grüße aus Regensburg
    Claudia

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