Die „Multi-Kulti-Metropole“ Toronto

Posted by on 13. Juni 2012

Als wir letzten Montag, den 4. Juni bei Lyette und Wolfgang in Buckingham starteten, ahnten wir noch nicht, welch erlebnisreiche Woche uns wieder bevor stand und wie viele neue Eindrücke uns erwarteten. Zunächst, nach dem Frühstück hieß es Abschied nehmen von den Beiden. Wir hatten hier schöne Tage verbracht. Wir starteten gegen Mittag zunächst „nur“ in die Stadt (Buckingham), wo wir dann mitten drin einen Platz mit „ ungesicherten WiFi“ fanden. Wir nutzten die Gelegenheit, um Emails zu versenden und zu telefonieren. Wir wollten auch noch unsere Scheinwerfer reparieren lassen, aber dazu kam es nicht mehr an diesem Tag, denn die Zeit verging wieder viel zu schnell und die Geschäfte begannen zu schließen. So blieben wir einfach die Nacht über stehen und brachen am nächsten morgen nach Gatineau, einem Vorort von Ottawa auf. Obwohl die Adressenangabe etwas ungenau war, fanden wir den Laden aber sehr schnell. Der freundliche Eigentümer von „ACTION Racing“ nahm sich viel Zeit für uns, allerdings musste er den Scheinwerfer bestellen und das dauert einen Tag von Pennsylvania/USA, wie er mir erklärte. Gleichzeitig bot er uns an, in seinem Hof über Nacht stehen zu bleiben. Also bestellten wir und beschlossen noch mal nach Ottawa rein zu fahren und später das „Angebot“ zu nutzen. Das Wetter hatte sich gebessert, es war sommerlich warm und die Sonne schien. Wir nutzten die Zeit noch mal einen Tag durch die Hauptstadt Kanadas zu streifen. Am nächsten Tag dann gegen Mittag waren die Teile da, passten aber nicht, so dass ich beschloss, beide Scheinwerfer zu erneuern. Es ging zunächst ganz fix, die Montage, aber die „Dinger“ strahlten nicht. In französisch, was ich kaum verstand, erklärte mir der Mechaniker, dass er keine „Masse“ findet. Es kann schon sein, dass ich etwas „vermurkst“ habe, als ich den defekten Scheinwerfer reparieren wollte, habe ich nämlich einen Kurzschluss verursacht und einige Sicherungen brannten durch, vielleicht auch das Massekabel. Der Mechaniker verstand jedoch sein Handwerk und fand den Fehler und behob ihn. Ich dachte mir – nur gut, dass ich hier in diesem Laden bin. Der Preis war auch moderat, so dass wir zufrieden aufbrachen. Wir kamen nicht all zu weit, nur bis Prince Edward. Mit einer kostenlosen Fähre setzten wir über und fuhren noch bis Point Traverse. Einen schönen Platz haben wir gefunden, direkt am Lake Ontario, in einer kleinen Bucht mit Blick auf den See und einem Fischerhaus auf der gegenüberliegenden Seite. Am nächsten Morgen wurden wir sogleich auch von diesem Fischer bzw. seinem Boot, geweckt, als er gegen 7.00 Uhr zum Fischen den See hinaus fuhr. Als er Stunden später mit seinem Fang zurückkehrte kauften wir von „Timmy“ so hieß der Fischer einen „White Fish“. Für 4 CAD$, dass entspricht ungefähr 3,50 € hat er ihn für uns noch filetiert. Das Abendessen war gesichert. Wir spazierten noch zum Leuchtturm, entdeckten dabei eine vielfältige Vogelwelt, Schlangen, Schildkröten anderes Kleingetier. Wir nutzten das schöne Wetter unser Fahrzeug innen zu reinigen und neu zu beladen. Am Abend gab´s dann leckeren Fisch. Obwohl der Stellplatz wunderschön war, beschlossen wir dennoch unseren Standort zu wechseln. Wir fuhren ein Stück weiter zum „Sandbanks National Park“. Der Parkeingang war nicht mehr besetzt und wir suchten uns einfach ein schönes Plätzchen. Wir waren ganz alleine an einem kilometerlangen Sandstrand, den wir nur über hohe Dünen erreichen konnten. Als wir ankamen war ein Gewitter im Gange, es verzog sich aber wieder ganz rasch und wir nahmen noch ein Bad im überraschend warmen Wasser des Ontario Sees. Weil der Strand so schön und menschenleer war, machen wir am nächsten Morgen einen ausgiebigen Strandspaziergang, bevor wir dann weiter nach Toronto fuhren. Es war schon wieder Freitag, die Woche verging wie im Flug.  Am Nachmittag gegen 16.00 Uhr fuhren wir Richtung „Downtown“, den CN-Tower schon immer im Blick. Genau da wollten wir hin, wo der Canadien –Tower steht. Nahezu problemlos „handelten“ wir uns durch den Großstadtverkehr, obwohl die Straßen immer breiter und die Autos immer mehr wurden. Wir parkten „Balu“ unweit des Towers und brachen auch gleich auf, um diesen zu besichtigen. Mit seinen 583 m war er 34 Jahre lang, bis 2010 das höchste Gebäude der Welt. Die obere Aussichtsplattform in ca. 450 m Höhe ist noch immer die höchste. Da mussten wir natürlich gleich hoch, denn das Wetter war schön und es bot sich uns ein toller Blick auf Toronto und seine Vorstädte. In der Ferne konnten wir auch noch den Regenbogen, der sich über den Niagara Fällen bildete, erkennen. Auch konnten wir von oben einen Platz ausmachen, wo wir mit unserem Fahrzeug die nächsten Tage stehen bleiben  wollten. Wir fanden einen Parkplatz direkt am See. Dieser gehörte zu dem Stadtflughafen auf der vor gelagerten  Insel. Die Dame der „Security“ wollte nicht entscheiden, ob sie uns reinlassen darf und kontaktierte deshalb ihren Chef. Dieser meinte nur, wenn das Fahrzeug nur einen Stellplatz in Anspruch nimmt, kann es da stehen. So standen wir, ca. 15 Min. zu Fuß entfernt vom Zentrum, am See und angrenzend zu einem Park. Der Platz war Tag und Nacht bewacht, ruhig, zentral und wir zahlten für 2,5 Tage nur 40 CAD$. Am selben Abend noch durchstreiften wir die Straßen der „Downtown“ und besuchten auch noch ein „Lifekonzert“ mit K’eenan und Nelly Furtado, die mit ihrem Konzert eine Kulturwoche einleiteten. Wer K’eenan nicht kennt, kennt zumindest seinen bekanntesten Song „Wave your flag“,, der zur letzten Fußball-WM mehrmals täglich im Radio zu hören war. Toronto faszinierte uns. Eine 3,5 Mio.-Stadt, mit über 100 gesprochenen Sprachen und 79 verschiedensprachigen Zeitungen, so bunt und vielfältig und absolut friedlich, das kulturelle Nebeneinander – es geht doch! Wir fühlten uns auch absolut sicher hier, auch wenn die Leute noch so „schräg“ daher kamen.

Am Samstag Vormittag gerieten wir zunächst in eine riesige Veranstaltung für Hunde und deren „Frauchen“ bzw. „Herrchen“. Selten habe ich so etwas Verrücktes gesehen, ganze Straßenzüge, nur mit Leuten und ihren Hunden gefüllt und Zelt an Zelt mit Sachen für des „Menschen besten Freund“ Immer wieder bemerkten wir „Rauchschwaden“ angereichert mit dem Geruch von Marihuana, vielleicht sind die Leute deshalb so gut drauf? Alles legal hier, wie man uns in einem Laden für Marihuana-Accessoires sagte. Einige Straßenzüge weiter gerieten wir in einen militärischen Aufmarsch. Vorneweg marschierte das Musikkorps in „Schottenröcken“. Auch wir gesellten uns zu den neugierigen Zaungästen eines Richtfestes. Ein neues Gebäude einer traditionellen Militärschule wird gebaut. Plötzlich standen wir mittendrin als der „General Gouverneur“ im Tross von mehreren  schweren Security-Limousinen vor fuhr. Er ist der Vertreter der englischen Queen in Kanada, die ja auch Staatsoberhaupt Kanadas ist. Kurz gesagt entspricht diese Position etwa dem Titel des Bundespräsidenten, der da nur wenige Meter von uns entfernt im Trommelwirbel die Front abschritt.  Den ganzen Samstag durchstreiften wir so bei Sonnenschein und angenehmen 25°-30° die „Downtown“ und es gab an jeder Ecke was Neues zu entdecken.  Am frühen Nachmittag sahen wir auch schon viele Fußball-Fans durch die Straßen ziehen und nicht nur das Deutschlandspiel – nein, sämtliche Spiele konnte man „life“ in den Bars verfolgen. Der Tag war wieder viel zu kurz. Am Abend ließen wir uns es nicht nehmen, noch einmal zu einem Reggae-Konzert zu gehen – kostenfrei, wie die meisten Veranstaltungen der „Luminato 6“, wie sie hieß. Den Sonntag nutzten wir, wie tausende andere Toronto- Bürger, bei schönstem Sommerwetter mit der Fähre auf die der Stadt vor gelagerte Insel zu fahren. Man konnte dort am Sandstrand baden, was wir auch machten, oder picknicken,  mit dem Rad fahren oder nur im Gras liegen. Es war viel geboten da, deshalb war auch ein riesiger Andrang an den Fähranlagestellen. Gegen 16.00 Uhr brachen wir dann auf in Richtung Hamilton, einer „kleinen Vorstadt“ (mit ca. 250.000 Einw.), wo wir zum Essen eingeladen waren. Mariana hatte letztes Jahr im Zug von Regensburg nach München eine kurze „Fahrgemeinschaft“ mit einer indischen Juristin, die nach Deutschland verheiratet wurde. Ihr Mann war an der Regensburger Uniklinik Wissenschaftler. Kurz danach wechselte Ihr Mann die Arbeitsstelle und sie zogen nach Hamilton. Als sie erfuhren, dass wir nach Toronto kommen, luden Sie uns zum „Dinner“ (Abendessen) ein. Ohne Probleme fanden wir die Wohnung der Beiden, die uns dann mit selbst zubereiteten Köstlichkeiten der indischen Küche verwöhnten. Sie waren schon die ganze Woche aufgeregt, wie sie uns beim Essen erzählten. Auch wir informierten uns vorher im Internet, wie man sich da so zu verhalten hat, die Aussagen  darüber aber völlig widersprüchlich waren. Es war aber trotzdem ein netter Abend und wir verabschiedeten uns nach dem Dessert, so wie es der indische „Knigge“ vorsieht – und ich glaube, es war ganz recht so. So fuhren wir noch weiter Richtung Westen. Hamilton lag direkt auf unserer Route und wir mussten nicht mal einen Umweg fahren. Da es aber schon dunkel war, beschlossen wir in Guelph ( ca. 50 km weiter) auf einem Walmart – Parkplatz stehen zu bleiben. – eine gute Entscheidung. Wir kauften noch Lebensmittel für die nächsten Tage ein (So.  ist bis 23.00 Uhr geöffnet) und legten uns  anschließend schlafen. Am Montagmorgen starteten wir dann in Abänderung unserer geplanten Route zwar Richtung Thunder Bay, aber über die Indianer-Reservationen , die Hwy. 6 entlang Richtung Norden und die Inseln im Lake Huron. Von den 35 größten Seen der Erde liegen 13 in Kanada. Lake Huron ist der 3. Größte und wir fühlten uns wie am Meer.  Bei Holstein kamen uns Alt-Mennoniten in traditioneller Kleidung und  Kutsche entgegen. Neuerungen aufzunehmen ist für sie eine Glaubensfrage und für sie, so scheint es, ist die Zeit im 17. Jahrhundert stehen geblieben. Eine landschaftlich herrliche Gegend zwischen Lake Huron und Georgian Bay. Den Tipp bekamen wir in Toronto von einem freundlichen Herrn. Wir haben die letzten Wochen noch zahlreiche andere interessante Menschen getroffen, die wir im Einzelnen nicht alle aufzählen können, mit denen wir nette Gespräche führten und die uns auch immer wieder ein Stück weiter gebracht haben mit Ihren Ratschlägen und Tipps. Von Montag auf Dienstag übernachteten wir im Hafen von Tobermory und warteten auf die Fähre nach Manitoulin  Island. Am Dienstag früh um 8.50 Uhr startete sie über den Lake Huron, dann geht´s weiter – immer Richtung Nordwesten zu neuen Erlebnissen, die auf uns warten.  Mehr Bilder dazu wieder in der Bildergalerie.

One Response to Die „Multi-Kulti-Metropole“ Toronto

  1. Martin

    Mit Spannung warten wir schon immer auf Eure neuen Reiseberichte und Bilder. Nach dem Lesen sind wir jedesmal ein bischen neidisch.Weiterhin eine gute Zeit wünschen Euch
    Witha und Martin

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